Der nächste Tag beginnt recht entspannt. Unser Tagesziel heute ist Whistler. Leider haben wir dort wieder keine Reservierung, da die Campingplätze um Whistler herum nicht zu reservieren sind. Das Städchen soll ganz nett sein, also wollen wir es uns ein wenig anschauen. Die Strecke ist allerdings nicht lang, deshalb haben wir zunächst keine Eile. Wir besuchen erneut zusammen mit Bree und ihrer Oma das Bächlein, putzen dort Zähne und waschen uns die Gesichter im klaren kalten Wasser. Als wir endlich aufbrechen, ist schon fast Mittag. 


Campingfreundinnen

Auf dem Weg Richtung Whistler fahren wir an einigen schönen Ausflugszielen, wie dem Joffre Lake, vorbei. Da wir aber schon so spät haben, halten wir nur für ein kurzes Foto.

Auf dem Weg nach Whistler

Es tauchen nun die Coastal Mountains vor uns auf. Ihre Spitzen sind wieder schneebedeckt und es sind auch hier und da wieder Gletscher zu sehen. 

Als wir nach Whistler reinfahren, sind wir völlig überrascht von dem Flair das hier herrscht. Der Ort erinnert an eine Nachahmung eines Skiortes in den Alpen. Die Häuser haben Charlet-Charater und die komplette Innenstadt scheint dem Tourismus verschrieben zu sein. Nach dem ländlichen, fast schon hinterwelterischen Hochplateau, sehen wir hier überraschend viele vor allem junge Leute auf den Straßen. Hier scheint es ein großes sportliches Angeboten zu geben, denn viele sind auf Mountainbikes oder in sonstigem sportlichen Dress unterwegs. Wir kurven durch die dörflichen Straßen bis wir den Supermarkt erreichen. Die Einkaufserfahrung könnte kaum kontrastreicher zu unserer letzten in Clinton sein. Dort hatten wir in einer Art ländlicher Tankstelle eingekauft und waren neben ein paar Bauern mit Cowboyboots und Armycaps die einzigen Kunden gewesen. Hier wimmelt es von hippen Kids, alles ist organic, plastic free und es gibt sogar European Style Butter. Völlig überwältigt von dem Shoppingerlebnis kaufen wir natürlich viel zu viel ein. Aber unser Camper ist ja groß und alles passt rein. 

Es ist zwar schon Nachmittag, aber die Stadt hat uns mit ihrem relaxten Vibe völlig vereinnahmt. Und weil es so super sommerlich warm ist, wollen wir noch irgendwo draußen ein Nachmittagspäuschen machen. Am liebsten an einem See. Und natürlich hat dieses perfekte Städtchen auch einen See, klar. Dank Google Maps sind wir schnell dort und finden auch noch einen Parkplatz. Wir spazieren einen kleinen Weg durch ein Wäldchen und finden uns an einem Holzsteg wieder, der etwa 10 Meter in den glizernden See hineinragt. Etwa 50 Meter weiter gibt es einen weiteren und dann noch einen. Der See ist umgeben von Bergen und einfach traumhaft schön. Es scheint als hätten wir einen richtigen Geheimtipp entdeckt, denn die anderen Leute, die sich hier auf dem Steg sonnen und die Abkühlung im See genießen scheinen alle von hier zu sein. 


See von Whistler

Noch nicht mal die Badehose haben wir eingepackt 

Leider ist es schon viel zu spät und wir müssen bald weiter. Immerhin haben wir für diese Nach noch keine Unterkunft. Etwa 10km südlich von Whistler liegt ein Campingplatz, der auf drei getrennten Arealen Stellplätze nach dem First-Come-First-Serve-Prinzip anbietet. Wir fahren alle Areale ab und finden leider keinen einzigen freien Platz. Mittlerweile haben wir schon halb sieben. Zwischen den Campingplätzen befindet sich eine freie Schotterfläche, auf der zwei große Camper stehen. Wir überlegen, uns einfach dazu zu stellen, trauen uns dann aber doch nicht, weil das eigentlich ja nicht erlaubt ist und wir auch keine Lust auf einen nächtlichen Besuch von irgendeinem Parkwächter haben. 

Wir fahren also weiter und die Nerven liegen langsam blank. Die Kinder sind mittlerweile beide eingeschlafen und wir haben noch nicht mal zu Abend gegessen. Der nächste Campingplatz, weitere 10 km entfernt, ist ein Witz. Hier befinden sich vielleicht 10 Stellplätze, die natürlich alle schon belegt sind. Es sind viele Kletterer unterwegs, denn hier kann man offensichtlich auch noch gut klettern. Wir werden mitleidig beäugt, dann fahren wir wieder zurück. Wir wollen es doch mit der illegalen Freifläche versuchen. Wieder zurück, fragt Christian bei den Campern, die mit ihren zwei großen Wohnwagen immernoch dort stehen, nach. Wie sich herausstellt, ist es eine Gruppe deutscher Mountainbiker, die ihm sofort ein Bier anbietet. Sie hätten mit dem Zuständigen des Campingplatzes gesprochen und er toleriere sie. Sie geben allerdings zu bedenken, dass sie recht laut seien. Wir könnten uns aber wohl auch einfach auf den Parkplatz des ersten Campingareals stellen. Das machen wir dann auch. Die schlafende Juna tragen wir so wie sie ist ins Bett und legen eine Banane für die Nacht bereit. Emilian ist mittlerweile wieder wach geworden und leistet uns noch bis etwa ‪21:30‬ Gesellschaft. Für Christian und mich gibt es nur noch ein Müsli. Wir registrieren uns natürlich und bezahlen die ganz normale Campinggebühr. Wie wir feststellen, sind wir auch nicht die einzigen Camper, die hier auf dem Parkplatz stranden.
Am nächsten Morgen passiert es: Wir sitzen gerade in unserem Camper beim Frühstück, da spaziert plötzlich ein Schwarzbär an uns vorbei. Er ist etwa so groß wie ein großer Hund und ziemlich unaufgeregt unterwegs. Wir haben sofort unsere Handys zur Hand und machen ein paar Schnappschüsse. 


Bärensichtung

Mich überkommt ein kleiner Schauder, denn am Abend vorher war ich im Halbdunkeln noch zum nahen Fluss gestiefelt und hatte mich im Dämmerlicht gewaschen. Dabei hatte mich schon ein mulmiges Gefühl beschlichen als ich durch den fast schon dunklen Wald zurück gestolpert war. Was, wenn mir hier plötzlich ein Bär begegnete? Aber bei all den Campern ringsum und so nah am Highway? Jetzt wird mir klar, dass mich mein Gefühl keineswegs getäuscht hatte und ich bin froh, dass ich die Begegnung nicht im Dämmerlich gemacht hatte und dass ich jetzt im sicheren Camper sitze! Der Gang zur Toilette wenig später ist dann doch ein wenig befremdlich und ich unterhalte mich auf dem Weg mit einem anderen Pärchen, das dem Bären aus etwas geringer Distanz begegnet war. Wir gehen dem allgemeinen Aufruf nach, Sichtungen von Wildtieren zu melden, rufen die Hotline an und hinterlassen unsere Meldung. Dann fahren wir wieder nach Whistler. Der Ort und vor allem der See haben uns so gut gefallen, dass wir ihn erneut besuchen wollen. Für den Abend haben wir nicht all zu weit entfernt eine Reservierung im Paradise Valley Campingground, einem privaten Campingplatz, der aber nicht weniger schön sein soll als die Provicial Parks, in die wir sonst immer fahren. Er ist allerdings etwas teurer, bietet aber auch ein Waschhaus mit Spültoiletten und Duschen. 

Wir sind natürlich wieder erst zur Mittagszeit unterwegs. Irgendwie dauert es morgens einfach immer ewig bis wir mal los kommen, vor allem wenn es auch noch so ein leckeres Frühstück mit Rührei und Bacon gibt! Mmmh!

Der Tag in Whistler wird dann auch richtig schön, auch wenn wir zunächst etwas genervt 20 CAN$ für den Parkplatz zahlen und Juna einige nervliche Zusammenbrüche erleidet weil irgendwas mit dem Buggy und dann mit den Kopfhörern nicht stimmt und sie diese in ihrer Wut dann auch noch kaputt macht und mit dem Buggy hinten über fällt. Das ist dann fast schon wieder lustig und so langsam berappeln wir uns alle wieder. 


Strolling through Whistler

Whistler war 2010 Austragungsort der olympischen Spiele in Vancouver. Das kann man der Innenstadt deutlich ansehen. 
Nach unserem Bummel durch die Stadt und einem Sushi Imbiss zum Mittag, fahren wir natürlich wieder an „unseren“ Spot am See, wo wir uns im Wasser abkühlen.


Zurück am See, diesmal mit Badehose :)

Wir lernen ein Pärchen kennen, die in Whistler „hängengeblieben“ sind. Sie sagen, nach Whistler komme man für einen Winter und bleibe für immer. Das können wir gut nachvollziehen. Im Winter arbeiten die beiden Mittzwanziger als Skilehrer, im Sommer verdienen sie als Kellner und Verkäuferin ihr Geld. 

Natürlich bleiben wir wieder viel zu lange aber heute haben wir ja glücklicherweise eine Reservierung. Trotzdem wird die Fahrt etwas brenzlig, da Juna ‪um 18 Uhr‬ kurz davor ist einzuschlafen und am Campingplatz angekommen ziemlich fertig ist. Das Abendessen muss dann schnell schnell gehen, und als beide Kinder endlich schlafen ist es dann auch schon ziemlich düster draußen. Emilian wacht heute Abend auch besonders häufig auf, trotzdem schleiche ich mich mit Stirnlampe und Handtuch ausgestattet davon und will das Waschhaus aufsuchen, wo es Duschen geben soll. Die letzte Dusche ist nämlich schon wieder ein paar Tage her. Obwohl man das Duschhaus von unserem Platz aus durch die Bäume schon sehen kann, muss man ein ganz schönes Stück laufen. Im Dunkeln kommt mir der Weg ewig lang vor und mittlerweile ist es nun wirklich schon dunkel. Ich muss an den Bären von heute Morgen denken und bekomme wieder ein mulmiges Gefühl: Ich hier so allein mit meiner Stirnlampe und meinem Handtuch. Ich leuchte nach rechts, wo das Duschhaus auftauchen sollte, aber es ist nichts zu sehen. Jetzt werden auch die Stellplätze weniger, zur Linken befindet sich dichter Urwald. Ich sehe weiter hinten das Exit Schild im Schein meiner Lampe aufleuchten. Bin ich etwa schon vorbei gelaufen? Jetzt wird mir echt ein bisschen unheimlich und ich mache auf der Stelle kehrt. Etwas panisch und verzweifelt erreiche ich den Camper, in dem Christian gerade Emilian zum wiederholten Male bettet: „Ich find’s nicht! Ich find’s einfach nicht!“, keuche ich. Doch Christian, der bereits duschen war während ich die Kinder ins Bett gebracht habe, bleibt ganz cool und zeigt mir eine Abkürzung durchs Gebüsch. Ein kleiner Pfad verläuft von dem Stellpatz gegenüber direkt zum Waschhaus. Ich stapfe das kurze Stück, dann bin ich da. Im Waschhaus gibt es natürlich kein Licht. Also hänge ich die Stirnlame an die Stange, an der der Duschvorhang befestigt ist, schmeiße meine Münze ein und dusche los. Ich habe mich gerade abgetrocknet und angezogen, da erlischt das Licht der Stirnlampe. Wie bitte?? Ich stehe im Stockdunklen und schimpfe auf die Stirnlampe, die ich mir ausnahmsweise von Christian geliehen habe. Ungläubig betätige ich wie wild den Knopf der Lampe aber diese bleibt natürlich dunkel. Das darf ja wohl nicht wahr sein! Und wie komme ich jetzt bitteschön zurück? Ich fummele am Türschloss rum und trete nach draußen in die Nacht. Hier ist es auch nicht wirklich heller als in der Duschkabine. Niemals finde ich so den Weg! Ich stelle mir schon vor, wie ich lauthals nach Christian schreie, da geht die Stirnlampe plötzlich doch wieder an. Halleluja! Ich renne los und trampele so laut ich kann um alle umherstreunenden Bären und was sich hier sonst noch so im Unterholz rumtreibt, zu verjagen, durch den Pfad zu unserem Camper zurück. 

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