Unsere erste Ettappe zurück auf kanadischem Festland führt uns von Vancouver aus, wo wir mit unserer Fähre von Vancouver Island angekommen sind, in den etwa 2 1/2 Stunden entfernten Manning Park. 

Die Brücke erinnert Christian natürlich an Hamburg

Die Fahrt verläuft dank gut gelaunter Kinder recht nervenschonend. Wir fahren den Manning Provicial Park an, den wir für die nächsten zwei Nächte reserviert haben. Wir sind bereits ‪um 15 Uhr‬ an unserem Platz und haben so noch Zeit für eine kleine Kaffeepause. Anschließend packen wir die Badehosen ein und spazieren zum nahe gelegenen See. Dort gibt es für alle eine erfrischende Abkühlung. Bei etwa 30 Grad eine Wohltat!

Lightning Lake im Manning Park

 

 

 

Christian traut sich ganz schön weit raus

Außergewöhnlich für einen Provicial Park sind die guten sanitären Anlagen. Das erste Mal seit Paradise Valley gibt es eine Spültoilette und es gibt sogar kostenlose heiße Duschen! Das Angebot nutzen wir natürlich sofort aus und gehen alle (bis auf Emilian) duschen. Den nächsten Tag verbringen wir erneut am See. Zunächst umwandern wir ihn und da Juna den kompletten Weg selber läuft und wir eine Picknick Pause machen, sind wir drei Stunden unterwegs. Juna bekommt für diese Leistung das Abzeichen des Goldenen Wanderschuhs in ihr Malbuch gemalt. Der Trick ist, sie mit Geschichten zu versorgen. Entweder man spielt mit ihr in einer Tour Rollenspiele oder man erzählt ihr Geschichten. Ich soll meistens Geschichten aus meiner Kindheit erzählen, Christian erzählt Schlumpfgeschichten. So unterhalten, ist sie in den vergangenen Tagen echt viel mit uns gelaufen und entwickelt langsam Kondition. 

 

Das hält keiner lange durch

 

Nach einer Stärkung (Pfannkuchen mit Blaubeeren und Sirup) und kleinen Rast (Emilian und der Rucksack mussten ja trotzdem die ganze Strecke getragen werden), kehren wir zum See zurück und gehen noch mal ins Wasser. Motiviert durch eine ältere Dame, traue ich mich sogar einmal den See zu durchschwimmen und auf dem gegenüberliegenden Ufer eine kleine Rast in der Sonne zu machen. Der Blick von der Seemitte auf die nahen, teilweise mit Schnee bedeckten Berge, lohnt auf jeden Fall den Nervenkitzel, der für mich bei solchen Aktionen auf jeden Fall immert mit dabei ist.

 

Wollwäsche

 

 

Am nächsten Tag brechen wir morgens auf und verlassen den schönen Campingplatz am Lightning Lake weiter Richtung Osten. Für heute haben wir keine Reservierung aber auch keine weite Strecke vor uns. Wir streben einen kleinen Campingplatz etwa 100 km östlich von uns an einem Fluss an. Der Weg dahin führt uns durch verschlungene Täler mit gelb vertrockneten Wiesen und dunklen, aus der Erde ragenden Felsen. Die Häuser, an denen wir vorbei kommen, sind Ranches und erwecken ein ländliches Flair. Es bleibt trocken und heiß. 

Wir fahren erstmal an der unscheinbaren Abfahrt vorbei und wenden bei Dough’s Homestead. Große Schriftzüge werben für Beefjerky und Pepperoni. Ob wir hier noch einkaufen gehen können? Bevor wir das entscheiden, fahren wir aber erstmal zurück zum einfachen Campingplatz. Etwa 150m von der Hauptstraße entfernt befinden sich, etwas tiefer gelegen und ganz in der Nähe des Flusses, ein paar Stellplätze zur Selbstregistrierung. Ein paar Camper sind schon da aber es sind auch noch einige Plätze frei. Wir fahren schnurstracks zu dem, der am äußersten liegt und sichern uns so den besten Platz. Es ist ‪11 Uhr‬ vormittags und wir sind schon am Ziel. Das hatten wir lange nicht mehr. Zunächst sind wir unschlüssig ob wir überhaupt bleiben wollen, da es ziemlich viele Wespen gibt. Aber nachdem wir über die staubbedeckten Steine in das fast ausgetrockenete Flussbett geklettert sind und uns im kühlen Flusswasser erfrischt haben, entscheiden wir doch zu bleiben. Eine Frau weist uns darauf hin, dass man von unserem Stellplatz aus einem kleinen Pfad folgen kann und dann sogar an einen kleinen Sandstrand kommt. Ich probiere ihren Tipp sofort aus und mache eine schnelle Unterhosenwäsche für Juna und mich, wir haben nämlich beide keine frischen mehr. Die Stelle erweist sich als total schön, es gibt Schatten unter den nahen Bäumen und Erfrischung im Fluss.

 

Erfrischung am Fluss

 

Wir verbringen den ganzen Mittag und Nachmittag dort. Christian macht mit Emilian in der Trage einen kleinen Abstecher zu dem vermeintlichen Supermarkt. Aber außer einem herzhaften Stew, dass ihn schon etwas reizt, ist dort wohl nichts für uns zu holen. Wir beschließen also am nächsten Tag einkaufen zu gehen. Tanken müssen wir auch und unser Dreckswasser loswerden ebenfalls. Als dann auch noch unser Gas ausgeht, wissen wir, dass wir am nächsten Tag einige Punkte auf der Liste haben, bevor wir den nächsten Campingplatz ansteuern können. Zum Glück soll es heute nur Reste geben, die wir erhitzen wollen. Christian spricht unsere Nachbarn, ein freundliches kanadisches Rentnerehepaar, an, die sehr gerne behilflich sind und uns unser Abendessen auf ihrem Herd erhitzen. Wir sind wieder überrascht von der Offenheit und Hilfsbereitschaft der Menschen hier. Wieder erleben wir die Kanadier als sehr unkompliziert und kommunikativ. 

Nachdem wir unser erwärmtes Abendessen gegessen haben, klopft die Parkwächterin an um unser Geld zu kassieren. Sie informiert uns, dass ein langes Wochenende bevor stünde und wir wahrscheinlich Probleme bekommen würden, auf dem Weg Richtung Osten einen Stellplatz zu finden. Sie rät uns, lieber hier zu bleiben und nach dem Wochenende weiter zu fahren. Am Abend überlegen Christian und ich hin und her. Tatsächlich sind für die nächsten drei Tage keine Reservierungen möglich. Die einzigen Stellplätze, die in den Tagen verfügbar sind, sind First-Come-First-Serve-Plätze und nicht jeder Campingplatz bietet solche an. Gute 100km weiter liegt ein Provicial Park mit guten Bewertungen, der allerdings auch sehr populär sein soll. Wir entscheiden, am nächsten Morgen so schnell wie möglich los zu kommen, tanken zu gehen, unser Gas auffüllen zu lassen, einkaufen zu gehen und dann möglichst vor 11 den Campingplatz zu erreichen. 

Nach einem kurzen Frühstück brechen wir auf, tanken und füllen Gas auf in der nächsten Tankstelle. Dann kommt der einzige Ort mit Supermarkt auf unserem Weg. Die Luft riecht wieder stark nach Rauch. Wir befinden uns ganz nah der Grenze zu den USA, wo momentan in Washington große Brände herrschen sollen. In dem kleinen aber feinen Supermarkt kaufen wir routiniert und in Rekordzeit ein (das Süßigkeitenregal kostet uns ein paar Minuten, da es keine gelben m&m’s gibt), dann düsen wir weiter. 

 

 

 

Wieder verpassen wir die Abfahrt, obwohl diese diesmal eigentlich nicht zu übersehen ist und fahren erst 5km in die falsche Richtung. Die Nerven sind schon ziemlich gespannt als wir wenden und wieder zurück fahren. Auf dem Weg zum Park durchfahren wir einen ehemaligen Wald, dessen Bäume alle schwarz verbrannt sind, das Gras steht hier aber hüfthoch und gelb vertrocknet. Offensichtlich stammt das Feuer aus dem letzten oder vorletzten Jahr. Wir erreichen den Park und machen Halt beim „Host on Duty“, dem Parkwächter. Ich steige gleich mit aus, Emilian auf dem Arm, der auf den letzten Kilometern die Windel ordentlich voll gemacht hat und dringend gewickelt werden muss. Wir werden von einem freundlichen Rentnerehepaar begrüßt. Ich unterhalte mich mit der Frau über meine Kinder und ihre Enkelkinder und Christian erfährt von dem Mann, wo noch freie Plätze zu finden sind. Juna sitzt im Auto und ruft immer wieder, dass sie auf den Spielplatz will, der direkt neben ihrem Fenster zu sehen ist. Nachdem wir der staubtrockenen Straße ein Stück folgen, finden wir schnell einen freien Platz, den wir uns sofort schnappen.

 

Blick aus unserem Camper

 

Dann gehe ich mit den Kindern auf den Spielplatz. Wir haben mittlerweile kurz nach 11 und es ist bereits gute 30 Grad. Wir sind erleichtert, etwas gefunden zu haben und beschließen im Laufe des Tages, zwei Nächte zu bleiben. Es ist wirklich viel los hier auf dem Campingplatz, so dass richtig Urlaubsstimmung aufkommt. Ein besonderes Highlight ist der nahe Fluss, den man wahlweise auf einer Luftmatratze oder einem Gummireifen hinuntertreiben kann oder an dessen tiefster Stelle man schwimmen und sich im kalten Wasser erfrischen kann. Ansonsten ist auch hier alles staubig trocken. Doch es gibt auch ein Waschhaus, in dem man spülen und kostenlos heiß duschen kann. 

Wir verbringen beide Tage zum Großteil am Fluss und Juna hat riesigen Spaß mit einem Schwimmring, den wir von den Parkwächtern geliehen bekommen haben.

 

Flussabenteuer mit Luftmatratze

 

Mom on Duty: Was Mutti alles transportieren kann!

Nachts kühlt es wieder deutlich ab, so dass wir abends nicht wissen was wir den Kindern anziehen sollen und nachts dafür sorgen müssen, dass sie nicht kalt werden. Morgens ist es dann richtig frisch im Camper. ‪Ab 10 Uhr‬ kommt die Hitze und man hält es weder drinnen noch draußen aus. Da hilft nur der Sprung in den Fluss!

 

 

Juna liebt diesen Schwimmreifen!

Emilian ist derweilen mit den kleinen Dingen beschäftigt

 

Wenn es abends langsam abkühlt und die Leute duschen gehen oder ihr Geschirr am Waschhaus waschen, füllt sich der Spielplatz mit Kindern. Juna fühlt sich dort so wohl, dass ich sie sogar kurz sich selbst überlassen kann um duschen zu gehen. Emilian macht die Hitze zu schaffen und ich muss dafür sorgen, dass ich ihn oft genug stille und nicht erst, wenn er schon durstig ist. 

Nach unserer zweiten Nacht, brechen wir morgens wieder früh auf. Wir bringen die geliehenen Schwimmspielzeuge wieder zurück, dürfen den Schwimmreifen aber behalten, weil Juna ihn richtig lieb gewonnen hat. Der Abschied vom Campingplatz und seinen freundlichen Wächtern fällt uns etwas schwerer als sonst. Hier haben wir tatächlich auch ein bisschen Urlaub gemacht. 

Die heutige Etappe ist gute 2 Stunden lang. Wir fahren nach Castelar und von dort aus an den Lower Arrow Lake, den untersten Zipfel eines mehrere hundert Kilometer langen Seesystems. 

 

Am Arrow Lake

 

Auch hier herrscht Urlaubsstimmung. Wieder ist es heiß und staubig trocken. Wir finden einen schönen Platz in Seenähe, doch leider keinen Schatten am See. Mit unseren Badesachen bepackt wandern wir am See entlang auf der Suche nach Schatten. Unser Weg geht zum Glück größtenteils durch einen dünnen Waldstreifen am Highway, so dass wir die meiste Zeit im Schatten laufen können, aber wir müssen bestimmt 2km gehen, bis wir endlich eine kleine Bucht erreichen, in der es auch Bäume in Wassernähe gibt, unter denen wir unsere Decke ausbreiten können. Wir sind nicht die einzigen, die hier ihr Picknick aufschlagen. Heut ist der Feiertag, der das Wochenende lang macht, Labour Day. Und hier wird offensichtlich gefeiert. Wir haben schon an anderen Campingplätzen erlebt, dass die Kanadier das gerne in ihrem Campingstuhl tun, den sie ins Wasser stellen, so dass die Füße schön gekühlt werden und dazu ein ebenfalls im Wasser gekühltes Dosenbier trinken. So sitzen sie gesellig in Gruppen zusammen und genießen den Augenblick. Die vielen Kinder, die meistens mit von der Partie sind, vergnügen sich auf allem möglichen Wasserspielzeug. Die Gruppe heute hat eine riesige Schwimminsel dabei, auf der alle etwa 20 Kinder Platz haben. Wir gehen natürlich auch ins Wasser und erfrischen uns im recht kühlen See. Dabei lernen wir Terry kennen, einen Renter, der in Castelar wohnt und schon seit Jahren hier an seinen Lieblingsplatz kommt. Er schenkt uns eine Tüte Birnen aus dem eigenen Garten. 

 

Spielplatz Natur

Arrow Lake

Die Gesellschaft in den Campingstühlen wird im Laufe des Nachmittags immer lustiger und wir beneiden sie ein bisschen um ihre Unbeschwertheit und ihr Vergnügen. So ein kühles Bier im Campingstuhl, das wär schon was… Aber die Kinder werden langsam hungrig und müssen ja auch bald ins Bett und wir müssen die 2km ja noch zurück laufen und dann ja auch noch kochen. Also verlassen wir die schöne Stelle am See und hören auf dem Rückweg immer wieder das Gelächter der Feiertagsfraktion.

Nach dem Abendessen, haben wir dann doch noch ein bisschen Zeit, um noch mal auf den Spielplatz und ans Seeufer direkt am Campingplatz zu gehen. 

 

Abendstimmung am See

 

 

Am nächsten Tag haben wir eine recht lange Etappe vor uns. Heute wollen wir an den Wasa Lake, der schon dicht an den Rocky Mountains liegt. Die letzten Tage unserer Reise brechen nun an. Nach dem Wasa Lake haben wir noch drei Tag in den Rockys, dann müssen wir unseren Camper in Calgary wieder abgeben. Da wir ab jetzt alle Campingplätze reserviert haben, haben wir von nun an keine Eile mehr. So verlassen wir ganz entspannt, aber trotzdem schon ‪um 9 Uhr‬ den Campingplatz am Arrow Lake und gehen in Castelar zum wahrscheinlich letzten Mal auf dieser Rundreise einkaufen. Dann fahren wir die gut 3 Stunden bis zum Wasa Lake. 

 

Weiter auf dem Crowsnest Highway

 

Auf dem Weg dahin, kommen wir am Moyie Lake vorbei, wo wir ursprünglich reservieren wollten. Allerdings wurde auf der Webseite vor Waldbränden in der Nähe gewarnt und als wir jetzt am See vorbei fahren, sehen wir in den dahinter liegenden Bergen die Rauchschwaden aufsteigen. Anscheinend brennt er hier tatsächlich an einigen Stellen. Wir beobachten zwei Löschhubschrauber, die Wasser aus dem See in einen sicherlich ziemlich großen Eimer sammeln und damit Richtung der Feuer fliegen. Im Vergleich zu den vielen Rauchfahen, die aus den Wäldern der Berge aufsteigen, wirken die Wassereimer allerdings ziemlich klein und wirkungslos. Wir hoffen, dass die Feuer bald gelöscht werden können und Regen der Trockenheit endlich ein Ende setzt. Im Vorbeifahren sehen wir dann auch, dass der Campingplatz am Moyie Lake gesperrt ist. 

Am Wasa Lake herrscht zum Glück tote Hose. Am schwarzen Brett am Eingang ist eine Liste der Reservierungen für heute ausgehängt: Wir sind die Einzigen :) 

 


Zum Glück haben wir reserviert ;)

Auf dem weitläufigen Gelände verlieren wir uns mit ein paar anderen Campern.

Nach dem verspäteten Mittagessen (wir sind wieder eine Zeitzone nach osten verrutscht, wodurch wir bei unserer Ankunft bereits ‪14:30‬ haben), packen wir wieder die Badesachen ein und gehen zum See. Dieser kommt allerdings ziemlich unspektakulär wie ein nicht gerade besonders schöner Baggersee daher. Trotzdem tut die Abkühlung ganz gut, obwohl es nur noch etwa 25 Grad sind. Den See, den Staub und den dreckigen Sand können wir uns im Anschluss in der Familiendusche abwaschen. Auf jeden Fall das Highlight dieses Parks.

Am nächsten Morgen geht es ganz entspannt weiter. Die Nacht war wieder ziemlich kalt, so dass ich Emilian nachts doch den Daunenschlafsack angezogen habe. Daran müssen wir uns jetzt wohl wieder gewöhnen, denn in unseren letzten Campertagen sind wir wieder in den Rocky Mountains. Heute geht es bis an den Rand der hohen Berge, nach Radium Hot Springs. Das erreichen wir ohne besondere Vorkommnisse nach einer guten Stunde Fahrt. Es ist so verraucht wie noch nie. Die Berge können wir nur erahnen und die Luft riecht ziemlich nach Feuer. Wir checken auf dem Campingplatz ein und beziehen unseren reservierten Platz. Dann gibt es erstmal Mittagessen und anschließend machen wir uns auf den Weg zu den heißen Quellen. 

 


Unser Camper: bald müssen wir uns von ihm verabschieden

Das letzte Mal in heißen Quellen waren wir ebenfalls in den Rockys, ganz am Anfang unserer Reise. Danach waren wir alle krank geworden. Allerdings hatten wir uns da vorher wahrscheinlich im zugigen Wohnmobil verkühlt. Dieses Mal wollen wir auf jeden Fall nicht so lange im Wasser bleiben und auch dafür sorgen, dass Emilian immer gut eingepackt ist, sobald er aus dem Wasser raus ist. Zunächst müssen wir aber etwa 3km bis zum Schwimmbad laufen. Juna macht, gut unterhalten durch alle möglichen Arielle und Lillifee Geschichten, schon gar keine Anstalten mehr, getragen zu werden. In einer Tour Geschichten zu erfinden ist zwar auch anstrengend, aber weniger körperlich als die Schlepperei. Nach etwa einer Stunde erreichen wir das Bad. Es ist wieder ein ziemlicher logistischer Aufwand uns und die Kinder fertig zu machen und abzustimmen wer welche Sachen und Kinder wo einschließt oder mitnimmt. Aber dann haben wir alles geregelt und können endlich schwimmen gehen. 

Mit ihrem tollen grünen Schwimmring und den Schwimmflüglen ausgestattet, ist Juna ganz selbstbewusst und mutig im Wasser unterwegs.

 


Schwimmen in den heißen Quellen

Das Wasser hat heiße 39 Grad. Lange, halten wir es sowieso nicht aus. Juna wird derweilen mutiger und will ohne Schwimmring, nur mit Flügelchen ins Wasser. Und siehe da, sie traut sich sogar ganz allein! Eine Premiere.

 

Juna schwimmt!

 

 

Das duschen und anziehen ist ähnlich logistisch kompliziert, wenn nicht sogar komplizierter, aber wir kriegen es irgendwie hin, alle trocken und angezogen wieder den Rückweg anzutreten. Wieder erzähle ich in einer Tour Geschichten und so läuft Juna auch den Rückweg ohne einmal zu murren. Echt faszinierend. 

Zurück am Camper sind alle k.o., müde und hungrig. Christian kocht eine leckere Gemüsepfanne und schon ist es Zeit fürs Bett.
Der nächste Tag wird unser letzter richtiger Campertag. Wir wollen nach Banff, einem ziemlich touristischen Ort in den Rockys. Dort heißt es dann aufräumen und sauber machen denn danach müssen wir vor Mittag den Camper sauber, leer und vollgetankt in Calgary abgeben.

 


Wieder ganz schön rauchig 

 

Der Camingplatz Two Jack Lake liegt etwas außerhalb von Banff, so dass wir vom touristischen Treiben nicht viel mitbekommen. Der Platz und der See sind wunderschön und so ein würdiger Abschluss unserer Reise. 

 

Two Jack Lake

 

Nach dem Mittagessen ziehe ich mit den Kindern los so dass Christian Zeit hat unsere Sachen zu packen. Es wird wieder deutlich wie wenig Gepäck man eigentlich braucht. Denn obwohl wir wirklich schon sparsam gepackt haben, packen wir gut ein Drittel unserer Sachen ungetragen wieder ein. 

 

Rehbesuch am Nachmittag


Posen am See

Als ich abends noch einen Spaziergang mit Emilian mache, bekomme ich tatsächlich noch meinen ersten Elch zu sehen!


Er ist weit genug weg um für mich ungefährlich zu sein doch nah genug um seine beeindruckende Größe samt mächtigem Geweih zu bestaunen. 

Auf dem Rückweg sehe ich weitere vier Elche. Diesmal sind sie allerdings so weit weg, dass sie nicht mehr fotografieren kann. 

Am nächsten Morgen machen Juna, Emilian und ich noch eine schnelle Runde über den Campingplatz und bringen all unsere restlichen Lebensmittel unter die Leute. Dann fährt Juna zum letzten Mal mit gewohnter Routine das Slide Out rein und wir begeben uns auf unsere letzte Etappe Richtung Calgary von wo aus wir am Nachmittag nach Vancouver fliegen.

 

Slide In

Wir verlassen den Paradise Valley Campingplatz recht enspannt denn heute geht es erst am Nachmittag wirklich weiter. Vorher haben wir genügend Zeit bis nach Horseshoe Bay zu fahren, das nur etwa eine Autostunde entfernt ist und von wo aus um 17:20 unsere Fähre nach Nanaimo auf Vancouver Island rüber setzt. Wir müssen zwar 30-60 Minuten vorher dort sein, aber das sollte kein Problem sein. Vorher wollen wir irgendwo auf dem Weg im Fjord eine Mittagsrast machen. Leider verpassen wir bei einem Rastplatz die Ausfahrt und der nächste ist für Autos überhaupt nicht zugänglich. Uns bleibt dann nur noch bis nach Horseshoe Bay runter zu fahren und dort unsere Rast einzulegen. Horseshoe Bay liegt direkt gegenüber von Vancouver. Laut unserer Camping App gibt es dort einen Leuchtturm, an dem man rasten kann. Wir schlängeln uns also durch die recht engen Sträßchen dieses etwas besseren Viertels am Hang mit Blick auf die Metropole und finden auch endlich den Lighthouse Park. Dort wollen wir zunächst zum Aussichtspunkt. Wieder müssen wir erst suchen und ein ganzes Stück durch einen hügeligen Park mit riesigen uralten Bäumen laufen. 

Dann finden wir den Leuchtturm aber keine Aussicht. Erst nach einer ziemlichen Kletterpartie über die Felsen, finden wir endlich ein schönes Fleckchen.

Rast im Lighthouse Park

 

Natürlich hätte es auch einen leichteren Weg gegeben, klar. Hier hängen außer uns noch ein paar weitere Touristen ab und die sind sicher nicht alle so geklettert wie wir. Wir folgen den ausgetretenen Pfaden und finden dann auch den touristentauglichen Weg zurück und dann auch noch ein besseren Aussichtspunkt auf die Stadt. 


Aussicht auf Vancouver

Wir bekommen Lust auf Vancouver. Aber jetzt müssen wir erstmal zurück zum Camper, etwas essen und flugs zur Fähre, denn mittlerweile ich es doch schon deutlich nach Mittag. Der Camper steht so schief, dass Christian Schwierigkeiten hat, die Pfanne auf dem Herd zu halten. Emilian rollt über den Boden, so dass ich mit ihm nach draußen gehe. Nach einem schnellen Mittagessen (Reis mit Butter Chicken Soße), machen wir uns auf den Weg zur Fähre. Der ist zum Glück nicht weit und so sind wir mit genügend zeiglichem Puffer am Ableger. Juna ist so erschöpft von der Kletter- und Lauferei, dass sie die Wartezeit mit einem Schläfchen überbrückt. Auch Emilian schläft kurz bevor wir die Fähre befahren ein. 
So eine Fährfahrt ist natürlich ein kleines Abenteuer für sich. Wir gehen gleich hoch aufs Sonnendeck und suchen uns Plätze hinter der Scheibe in der erste Reihe. Während der Fahrt können wir zunächst noch mal Vancouver und sogar den Leuchtturm sehen, an dem wir gesessen haben. 

Kurz vorm Ablegen

Blick auf Vancouver

Dann kommt die große grüne Insel in Sicht. Draußen wird man ordentlich durchgepustet. Und als Juna wieder ganz wach ist, lässt sie sich vom Wind die Haare zerzausen.

Im Windkanal

 

 

Dann wird es auch schon Zeit die Fähre wieder zu verlassen. 

Da wir unseren Kühlschrank, bzw. das Propangas, das den Kühlschrank betreibt, abschalten mussten, halten wir am erstbesten Parkplatz an. Zufälligerweise befindet sich dort gleich ein Wendy’s Fastfoodrestaurant. Da kommen bei mir Erinnerungen an meine Zeit in den USA hoch und so ist auch schon entschieden, wo wir heute zu Abend essen. Für mich gibt es aus nostalgischen Gründen natürlich einen Bacon Burger!

Der Bacon Burger schmeckt genau wie früher!

Ich bin nicht die Einzige, die hier auf ihre Kosten kommt 

Gut gestärkt kann es weiter gehen

Bis zu unserem Campingplatz, dem Provicial Park Little Quallicum Falls, ist es jetzt nicht mehr weit. Trotzdem ist es bereits dunkel als wir ankommen. Aber das macht ja nichts. Wir haben reserviert und bereits gegessen, es müssen also nurnoch die Kinder ins Bett gesteckt werden.

Abendstimmung auf der Insel

 

Unser Stellplatz im Little Quallicum Falls Park

Am nächsten Tag treten wir unsere Reise quer über die Insel an. Wir wollen heute an die Westküste der Insel bis nach Ucluelet. Dort haben wir zum Glück für die nächsten zwei Nächte reserviert, denn die Insel ist wieder ein touristisches Highlight und daher ziemlich gut besucht.

Zwischenstopp im Cathedral Grove

Hier gibt es urlalte Bäume zu bestaunen: dieser soll über 800 Jahre alt sein!

 

 

Die Wurzeln der umgekippten Bäume sind riesig

Selbst wenn sie von innen hohl sind, leben sie weiter

Und Waldelfen gibt es hier auch?!

Die Überfahrt klappt gut. Wir schlängeln uns auf einem kleinen kurvenreichen Highway durchs Inselinnere bis an die Pazifikküste. Nur das letzte Stück wird ganz schön anstrengend, denn es verläuft über eine Länge von knapp 10km über die schlimmste Schotterpiste, die wir bisher gefahren sind. Wir brauchen 20 Minuten durch Gestrüpp und tiefe Schlaglöcher und sind anschließend völlig durchgeschüttelt (und unser nagelneuer Truck eventuell ein paar Kratzer reicher…). Außerdem gehen ein Teller und eine Tasse dabei zu Bruch, wie sich nachher herausstellt. Die harte Anreise lohnt sich aber, denn als wir endlich da sind, tut sich eine Aussicht auf den Fjord auf, die wunderschön ist. Das ruhige Meer läuft hier auf einen Steinstrand, der mit Strandgut übersäht ist. In der Ferne sieht man mehrere kleine, tannenbewachsene Inseln und es weht eine leichte, kühle Brise. Dazu der strahlende Sonnenschein und die Einfachheit des Campingplatzes. Hier bleiben wir!

Aussicht von unserem Stellplatz aus

 

Wir sind sofort begeistert und fragen, ob wir unseren Aufenthalt um eine dritte Nacht verlängern können. Es ist tatsächlich noch etwas frei, so dass wir zwar nach unseren ersten zwei Nächten auf einen anderen Stellplatz umziehen müssen, aber das stört uns nicht. 

Unsere Kaffeepause verbringen wir auf der Wiese neben unserem Camper mit Blick auf die Bucht.

Kaffeepause

Als die Dämmerung kommt können wir wie angeküdigt die Schwarzbären beobachten, die zu dieser Tageszeit auf den etwa 300m entfernten Strand kommen.

Für den nächsten Tag ist eine Wale Watching Tour geplant. Um 13 Uhr geht es in Tofino, einem touristischen Fischenort, der gleichzeitig auch das Ende der Straße markiert, los. Nach ein bisschen Gurkerei mit unserem riesigen Truck, finden wir unsere Reiseagentur und dann auch einen passenden Parkplatz. 

Wir bekommen unsere Rettungswesten und die dazugehörige Einweisung und dürfen zum Ableger des Schiffes gehen.


Noch schnell eine Stärkung, dann kann’s losgehen!

Das Boot, auf dem wir unterwegs sind, ist klein aber robust, der Skipper ein junger Seemann, der in einer der Buchten, durch die wir fahren, in einer Holzhütte aufgewachsen ist. Er habe sein ganzes Leben hier auf dem Wasser verbracht, was ziemlich vertrauenserweckend klingt. Er gibt uns und den anderen ca. 8 Passagieren wieder eine kleine Einweisung wie wir uns zu verhalten haben, dann kann es los gehen. Die Landschaft um Tofino ist einfach wunderschön.

In der Bucht von Tofino

 

 


Durchpusten lassen

Als erstes statten wir ein paar Seehunden einen Besuch ab. Dann beobachten wir einen Seeadler, der auf einem Baum sitzt und uns anschließend im Flug ein Stück begleitet. Dann machen wir uns auf, aufs offenere Meer auf der Suche nach Grauwalen. Die Wellen werden nun deutlich höher und unser Skipper versteht es die Passagiere, die sich draußen den Wind um die Nase wehen lassen, zum kreischen zu bringen. Ich bleibe mit Emilchen lieber drinnen. Der ist bei dem ganzen Geschuckel auch schon selig eingeschlafen. Irgendwo halten wir dann. Hier sollen wir Ausschau halten nach den Wasserfontänen, die die Wale beim Aufauchen in die Luft blasen. Und tatsächlich! Es dauert nicht lange, da sehen wir gleich mehrere dieser „Sprouts“. Wir kurven ein bisschen näher ran, der Skipper macht seine Meldung über sein Funkgerät an andere Boote in der Umgebung. Und dann sehen wir auch schon die ersten grauen Rücken und mächtigen Schwanzflossen. 
Juna ist nach den ersten Sichtungen ebenfalls eingschlafen. Als sie wenig später erwacht, ist sie kreidebleich und sagt nur „Ich muss brechen“. Sofort geht Christian mit ihr nach draußen und hält sie über die Reeling. Die Arme Maus! Zum Glück haben wir Vomex Tabletten dabei. Vom ganzen Geschaukel wird auch Christian schlecht und auch mir ist etwas flau. Christian verabreicht sich zwei Vomex und Juna eine halbe. Wenig später schläft sie völlig sediert wieder ein. Wir kommen den Walen noch ziemlich nah und bewundern ihre mächtige Eleganz. Dann drehen wir wieder ab und besuchen noch ein paar Felsen, auf denen wuchtige Seelöwen liegen. 

Die männlichen Seelöwen warten hier auf die Weibchen

Unterwegs treffen wir noch auf ein paar Seeotter, die gemütlich in Rückenlage auf dem Wasser treiben. 

Emilian übersteht die Bootstour zum Glück unbeschadet, sobald wir Tempo aufnehmen, dämmert er weg. 

Als wir wieder an Land sind, wird auch Juna wieder wach. Wir geben unsere Schwimmwesten ab und erkundigen uns nach einem schönen Café. Im Common Loaf, einer Bäckerei mit Backpacker Flair, werden wir fündig. Es gibt Cappuchino für mich, einen Chai Latte für Christian und für Juna eine heiße Schokolade. Dazu ein paar gebackene Leckerei.

Der Kakao bringt sie wieder nach vorn

Common Loaf

Nach der Stärkung müssen wir noch einkaufen. Tofino ist echt überschaubar und so finden wir den Supermarkt auf Anhieb und statten auch einem kleinen Souvenirladen noch einen Besuch ab. Wir müssen auch noch einen Sani-Stopp einlegen, was wir auf dem Campingplatz in Ucluelet erledigen. Ziemlich geschafft kommen wir nach der 20-minütigen Buckelpiste wieder an unserem schönen Campingplatz an. 

Endlich Abendessen

Emilian wacht heute Abend kein einziges Mal auf: zu gemütlich :)

Guten Morgen!

Blick aus unserem Camper

Seeadler vor unserem Fenster

Campingbekanntschaft Glenn

Der nächste Morgen ist wieder traumhaft schön. Der Wind ist weg und in der Sonne ist es angenehm warm. Heute wäre perfekt um mal einen faulen Tag einzulegen, wenn ich nicht mitbekommen hätte, dass man hier auch surfen kann. Das ist eigentlich kaum zu übersehen denn überall wird mit dem Verleih von Surfbrettern geworben oder es werden Surfstunden angeboten. Auch unsere Nachbarn, ein junges Pärchen aus Edmonton, erzählen uns, dass sie am Vortag eine Surfstunde genommen haben. Für mich steht also fest, dass wir heute wellenreiten gehen. Nach dem Frühstück buckeln wir also wieder die 20 Minuten raus und fahren nach Tofino um ein Surfbrett zu leihen. Die Wellen sind heute zwar nicht besonders hoch, aber das soll mir nur recht sein, immerhin ist es schon wieder 2 1/2 Jahre her, dass ich zuletzt, nämlich in Neuseeland, gesurft bin. Zu meinem Neoprenanzug bekomme ich auch Neoprenschuhe. Ich frage ob es wirklich so kalt sei, dass ich die Schuhe brauche. Ich bin noch nie mit Schuhen gesurft! Aber der Typ meint, es würde sicher auch ohne gehen, sie gehörten halt mit zum Leihpaket. Mit Surfbrett, Anzug und Schuhen ausgestattet, fahren wir also zum Strand, der uns für heute empfohlen wurde. Zum Glück finden wir mit unserem fetten Truck auch noch einen Parkplatz. Nur noch schnell ein paar Sandwiche schmieren – mittlerweile ist natürlich schon Mittag – und schon kann es losgehen. Ich bin total gespannt und zwenge mich am Strand sofort in meinen Neo. Juna begleitet mich zum Wasser, doch als sie merkt, wie kalt es ist, macht sie lieber wieder kehrt. Die Wellen sind dann tatsächlich nicht so der Hit, aber es macht trotzdem Spaß mal wieder auf dem Brett zu stehen. Und das Wasser? Ist echt schweinekalt! Meine Füße sind noch 20 Minuten nachdem ich schon wieder aus dem Wasser raus bin ziemlich rot. Die Schuhe ziehe ich aber trotzdem nicht an.

Weißwassersurfen

 

Beachbums

 

Sandschminke

Emilian findet’s leider nicht so toll am Strand. Zu hell, zu windig, zu warm. Nur direkt im Sand findet er es interessant und so sieht er am Ende des Tages ziemlich sandig aus und muss erstmal komplett entsandet werden bevor er in unser Bett darf. Auch der Rest der Familie hat nach diesem Strandtag eine Dusche bitter nötig. Zum Glück gibt es sogar eine (für 3 CAN$, also 2 €) an unserem Campingplatz. Zuerst beziehen wir allerdings unseren neuen Stellplatz, der ziemlich am Ende des Campingplatzes und somit ziemlich abgelegen liegt. Am Rand unseres Platzes finden wir einen riesigen Haufen, der eindeutig von einem Bären stammt. Während wir etwas skeptisch den Rest des wirklich großen Stellplatzes mit tollem Blick in die Bucht inspezieren, kommt auch schon ein Nachbarcamper mit einem Glas Rotwein in der Hand vorbei und erklärt uns lächelnd, wir sollten uns schon mal auf Bärenbesuch einstellen. Der Bär esse momentan total gerne die reifen Brombeeren, die an unserer Campsite wachsen, er sei morgens immer hier auf diesem Platz unterwegs. 


Bärenhaufen

Na super. Darauf sind wir ehrlich gesagt nicht sonderlich erpicht. Aus sicherer Entfernung sind uns die Bären (vor allem wegen der Kinder) deutlich lieber. Aber was sollen wir machen? Zum Abendessen beschallen wir die Umgebung mit Musik, in der Hoffnung, dass der Bär nicht auf einen Snack vorbei kommt. Der Gang zum Plumsklo schräg gegenüber wird auch wieder ein kleiner Nervenkitzel. Wir bleiben aber auch zum Frühstück am nächsten Morgen allein. 

 

Aussicht am neuen Stellplatz

Heute verlassen wir den Campingplatz und fahren zurück zum Little Quallicum Falls Provincial Park, wo wir unsere erste Nacht auf der Insel verbracht hatten. Wir verlassen also die Pazifikküste und fahren wieder auf die östliche Seite der Insel. Vorher wollen wir noch einen Regenwaldspaziergang machen, den man auf der Straße nach Tofino machen kann, und Longbeach besuchen, der ebenfalls auf dem Weg nach Tofino liegt.

Rainforrest Walk

 

 

 Leider bekomme ich vom ersten Teil des Spaziergangs durch den Regenwald kaum etwas mit, da mir Juna nach etwa 1/3 des Weges eröffnet, dass sie ganz dringend auf die Toilette müsse. Erfahrungsgemäß hat sie dann immer noch ewig Zeit und trödelt noch ordnentlich rum, bevor sie sich entschließt zur Toilette zu gehen. Dieses Mal scheint es ihr aber wirklich ernst zu sein und sie erklärt immer dringlicher wie ernst ihr die Sache ist. Das Ende vom Lied ist, dass ich ziemlich angenervt mit einer weinenden Juna auf dem Rücken treppauf und treppab durch den Regenwald hetze um schnell zurück beim Parkplatz und einem der Plumsklos zu sein. 

Longbeach wird dann zum Glück wieder entspannter. Der Strand hat seinen Namen natürlich verdient. Er ist lang und breit und trotzdem nicht einsam. Für’s Sonnenbaden ist es heute allerdings zu windig. Es wird auch wieder fleißig gesurft. Die Wellen sehen heute mit dem stärkeren Wind auch gleich ein bisschen höher aus.

Longbeach

So könnte er wohl Stunden verbringen

Der Strand mein Atelier

Nach dem Strand und den obligatorischen Sandwiches zum Mittag brechen wir also von der Westküste Vancouver Islands unsere Rückreise an. Jetzt geht es nur noch Richtung Osten, bis wir in knapp zwei Wochen unseren Camper in Calgary wieder abgeben müssen. Wir kurven uns erneut durch die schöne Insel und erreichen am Nachmittag den Little Quallicum Falls Provicial Park. Und wenn wir schon am gleichen Campingplatz wie bei unserer Ankunft sind, dann stellen wir uns natürlich auch auf den gleichen Platz. Typisch deutsch eben :)

Morgens ist es ganz schön frisch

Am nächsten Tag wollen wir vor unserer Abreise noch zu den Wasserfällen spazieren, nach denen dieser Park benannt ist. Der Weg geht entlang des Flusses und es ist heute so warm, dass an vielen Stellen die Leute im klaren Flusswasser baden. Neidvolle schaue ich ihnen dabei zu. Auf meinem Rücken schläft Emilian und außerdem habe ich keine Badesachen dabei, ich kann also leider nicht schwimmen gehen, obwohl ich es echt gerne machen würde. 

Auf dem Weg zu den Wasserfällen

Juna lässt sich lieber tragen

Emilian auch

 

Die Wasserfälle

 

 

Mit Schlumpfengeschichte geht es auch auf den eigenen Beinen 

Gegen Mittag brechen wir wieder auf. Heute haben wir einiges auf dem Programm stehen: Einkaufen, bei Tim Horton (einer Fastfoodkette, die wir mal ausprobieren wollen) zu Mittag essen, Tanken, Sani-Stop und natürlich zum neuen Campingplatz fahren, der etwa zwei Stunden entfernt an der Schwartz Bay liegt, von wo aus morgen Vormittag unsere Fähre zurück aufs Festland geht. In einer riesigen Einkaufsmall erledigen wir schon mal die ersten zwei Punkte.


Furry Rides

Eine Tankstelle finden wir ebenfalls unterwegs und den Wasserwechsel machen wir auf einem sogenannten RV Park kurz vor unserem Ziel. Uns wird wieder deutlich was der Unterschied zwischen so einem RV Park und einem Provicial Park, den wir normalerweise anfahren, ist. Hier stehen die Wohnmobile in Reih und Glied auf recht offener Fläche, ähnlich wie man vielleicht auch einen Campingplatz aus Holland oder Deutschland kennt. Es gibt höchstens mal eine Hecke, die die Wohnwagen voneinander trennt. Obwohl die Hecken hier echt akkurat und vornehm sind. Der RV Park scheint einer von den besseren zu sein, nicht so einer wie der den wir in Clearwater besucht haben. Leider befindet sich weder bei unserer Ankunft, noch bei unserer Abfahrt jemand im Büro, so dass wir keine Möglichkeit haben, die 8 CAN$ für unseren Wasserwechsel zu zahlen. 

Kurz darauf erreichen wir unseren Campingplatz. Wieder ein Provicial Park, wieder mitten im Wald obwohl in Hörweite des Highways. Es ist so warm, dass Juna und ich einen Mann (so um die 60-70 Jahre alt) treffen, der mit dem Fahrrad unterwegs ist und noch nicht mal ein Zelt dabei hat. Er schläft in seinem Schlafsack auf seiner Isomatte, die wiederum auf einer Plane auf dem Boden liegt. Er sei zu faul ein Zelt zu schleppen und so habe er freie Aussicht auf die Sterne. Ganz schön mutig finde ich, der abendliche Weg zur Toilette nur mit meiner Stirnlampe ausgestattet ist für mich schon wieder Abenteuer genug!
Am nächsten Morgen stehen wir ein bisschen zeitiger auf, denn um 11 Uhr geht unsere Fähre. Trotzdem schaffen wir vor Abfahrt endlich mal wieder ein leckeres Bacon und Rührei Frühstück. Die Kanadier haben uns in den vergangenen Tagen mit ihrem duftenden Frühstück ganz schön geärgert, so dass wir gestern beim Einkaufen nachgelegt haben.

Um 9:30 verlassen wir, eine Stunde früher als sonst üblich, den Campingplatz und 5 Minuten später sind wir auch schon am Fährableger. Wir haben Glück und dürfen sogar auf die Fähre um 10 Uhr noch mit drauf. Die Fährüberfahrt ist wieder überraschend unkompliziert. Im Vergleich zu den Autofähren, die wir aus Deutschland kennen ist hier alles so einfach und übersichtlich. Kein Suchen des Ablegers, kein Chaos beim Auffahren auf die Fähre, kein Kampf um Fensterplätze in der Fähre. Die Überfahrt läuft wie am Schnürchen und so befahren wir 1 1/2 Stunden später schon wieder kanadisches Festland.


Zurück auf der Fähre

Der nächste Tag beginnt recht entspannt. Unser Tagesziel heute ist Whistler. Leider haben wir dort wieder keine Reservierung, da die Campingplätze um Whistler herum nicht zu reservieren sind. Das Städchen soll ganz nett sein, also wollen wir es uns ein wenig anschauen. Die Strecke ist allerdings nicht lang, deshalb haben wir zunächst keine Eile. Wir besuchen erneut zusammen mit Bree und ihrer Oma das Bächlein, putzen dort Zähne und waschen uns die Gesichter im klaren kalten Wasser. Als wir endlich aufbrechen, ist schon fast Mittag. 


Campingfreundinnen

Auf dem Weg Richtung Whistler fahren wir an einigen schönen Ausflugszielen, wie dem Joffre Lake, vorbei. Da wir aber schon so spät haben, halten wir nur für ein kurzes Foto.

Auf dem Weg nach Whistler

Es tauchen nun die Coastal Mountains vor uns auf. Ihre Spitzen sind wieder schneebedeckt und es sind auch hier und da wieder Gletscher zu sehen. 

Als wir nach Whistler reinfahren, sind wir völlig überrascht von dem Flair das hier herrscht. Der Ort erinnert an eine Nachahmung eines Skiortes in den Alpen. Die Häuser haben Charlet-Charater und die komplette Innenstadt scheint dem Tourismus verschrieben zu sein. Nach dem ländlichen, fast schon hinterwelterischen Hochplateau, sehen wir hier überraschend viele vor allem junge Leute auf den Straßen. Hier scheint es ein großes sportliches Angeboten zu geben, denn viele sind auf Mountainbikes oder in sonstigem sportlichen Dress unterwegs. Wir kurven durch die dörflichen Straßen bis wir den Supermarkt erreichen. Die Einkaufserfahrung könnte kaum kontrastreicher zu unserer letzten in Clinton sein. Dort hatten wir in einer Art ländlicher Tankstelle eingekauft und waren neben ein paar Bauern mit Cowboyboots und Armycaps die einzigen Kunden gewesen. Hier wimmelt es von hippen Kids, alles ist organic, plastic free und es gibt sogar European Style Butter. Völlig überwältigt von dem Shoppingerlebnis kaufen wir natürlich viel zu viel ein. Aber unser Camper ist ja groß und alles passt rein. 

Es ist zwar schon Nachmittag, aber die Stadt hat uns mit ihrem relaxten Vibe völlig vereinnahmt. Und weil es so super sommerlich warm ist, wollen wir noch irgendwo draußen ein Nachmittagspäuschen machen. Am liebsten an einem See. Und natürlich hat dieses perfekte Städtchen auch einen See, klar. Dank Google Maps sind wir schnell dort und finden auch noch einen Parkplatz. Wir spazieren einen kleinen Weg durch ein Wäldchen und finden uns an einem Holzsteg wieder, der etwa 10 Meter in den glizernden See hineinragt. Etwa 50 Meter weiter gibt es einen weiteren und dann noch einen. Der See ist umgeben von Bergen und einfach traumhaft schön. Es scheint als hätten wir einen richtigen Geheimtipp entdeckt, denn die anderen Leute, die sich hier auf dem Steg sonnen und die Abkühlung im See genießen scheinen alle von hier zu sein. 


See von Whistler

Noch nicht mal die Badehose haben wir eingepackt 

Leider ist es schon viel zu spät und wir müssen bald weiter. Immerhin haben wir für diese Nach noch keine Unterkunft. Etwa 10km südlich von Whistler liegt ein Campingplatz, der auf drei getrennten Arealen Stellplätze nach dem First-Come-First-Serve-Prinzip anbietet. Wir fahren alle Areale ab und finden leider keinen einzigen freien Platz. Mittlerweile haben wir schon halb sieben. Zwischen den Campingplätzen befindet sich eine freie Schotterfläche, auf der zwei große Camper stehen. Wir überlegen, uns einfach dazu zu stellen, trauen uns dann aber doch nicht, weil das eigentlich ja nicht erlaubt ist und wir auch keine Lust auf einen nächtlichen Besuch von irgendeinem Parkwächter haben. 

Wir fahren also weiter und die Nerven liegen langsam blank. Die Kinder sind mittlerweile beide eingeschlafen und wir haben noch nicht mal zu Abend gegessen. Der nächste Campingplatz, weitere 10 km entfernt, ist ein Witz. Hier befinden sich vielleicht 10 Stellplätze, die natürlich alle schon belegt sind. Es sind viele Kletterer unterwegs, denn hier kann man offensichtlich auch noch gut klettern. Wir werden mitleidig beäugt, dann fahren wir wieder zurück. Wir wollen es doch mit der illegalen Freifläche versuchen. Wieder zurück, fragt Christian bei den Campern, die mit ihren zwei großen Wohnwagen immernoch dort stehen, nach. Wie sich herausstellt, ist es eine Gruppe deutscher Mountainbiker, die ihm sofort ein Bier anbietet. Sie hätten mit dem Zuständigen des Campingplatzes gesprochen und er toleriere sie. Sie geben allerdings zu bedenken, dass sie recht laut seien. Wir könnten uns aber wohl auch einfach auf den Parkplatz des ersten Campingareals stellen. Das machen wir dann auch. Die schlafende Juna tragen wir so wie sie ist ins Bett und legen eine Banane für die Nacht bereit. Emilian ist mittlerweile wieder wach geworden und leistet uns noch bis etwa ‪21:30‬ Gesellschaft. Für Christian und mich gibt es nur noch ein Müsli. Wir registrieren uns natürlich und bezahlen die ganz normale Campinggebühr. Wie wir feststellen, sind wir auch nicht die einzigen Camper, die hier auf dem Parkplatz stranden.
Am nächsten Morgen passiert es: Wir sitzen gerade in unserem Camper beim Frühstück, da spaziert plötzlich ein Schwarzbär an uns vorbei. Er ist etwa so groß wie ein großer Hund und ziemlich unaufgeregt unterwegs. Wir haben sofort unsere Handys zur Hand und machen ein paar Schnappschüsse. 


Bärensichtung

Mich überkommt ein kleiner Schauder, denn am Abend vorher war ich im Halbdunkeln noch zum nahen Fluss gestiefelt und hatte mich im Dämmerlicht gewaschen. Dabei hatte mich schon ein mulmiges Gefühl beschlichen als ich durch den fast schon dunklen Wald zurück gestolpert war. Was, wenn mir hier plötzlich ein Bär begegnete? Aber bei all den Campern ringsum und so nah am Highway? Jetzt wird mir klar, dass mich mein Gefühl keineswegs getäuscht hatte und ich bin froh, dass ich die Begegnung nicht im Dämmerlich gemacht hatte und dass ich jetzt im sicheren Camper sitze! Der Gang zur Toilette wenig später ist dann doch ein wenig befremdlich und ich unterhalte mich auf dem Weg mit einem anderen Pärchen, das dem Bären aus etwas geringer Distanz begegnet war. Wir gehen dem allgemeinen Aufruf nach, Sichtungen von Wildtieren zu melden, rufen die Hotline an und hinterlassen unsere Meldung. Dann fahren wir wieder nach Whistler. Der Ort und vor allem der See haben uns so gut gefallen, dass wir ihn erneut besuchen wollen. Für den Abend haben wir nicht all zu weit entfernt eine Reservierung im Paradise Valley Campingground, einem privaten Campingplatz, der aber nicht weniger schön sein soll als die Provicial Parks, in die wir sonst immer fahren. Er ist allerdings etwas teurer, bietet aber auch ein Waschhaus mit Spültoiletten und Duschen. 

Wir sind natürlich wieder erst zur Mittagszeit unterwegs. Irgendwie dauert es morgens einfach immer ewig bis wir mal los kommen, vor allem wenn es auch noch so ein leckeres Frühstück mit Rührei und Bacon gibt! Mmmh!

Der Tag in Whistler wird dann auch richtig schön, auch wenn wir zunächst etwas genervt 20 CAN$ für den Parkplatz zahlen und Juna einige nervliche Zusammenbrüche erleidet weil irgendwas mit dem Buggy und dann mit den Kopfhörern nicht stimmt und sie diese in ihrer Wut dann auch noch kaputt macht und mit dem Buggy hinten über fällt. Das ist dann fast schon wieder lustig und so langsam berappeln wir uns alle wieder. 


Strolling through Whistler

Whistler war 2010 Austragungsort der olympischen Spiele in Vancouver. Das kann man der Innenstadt deutlich ansehen. 
Nach unserem Bummel durch die Stadt und einem Sushi Imbiss zum Mittag, fahren wir natürlich wieder an „unseren“ Spot am See, wo wir uns im Wasser abkühlen.


Zurück am See, diesmal mit Badehose :)

Wir lernen ein Pärchen kennen, die in Whistler „hängengeblieben“ sind. Sie sagen, nach Whistler komme man für einen Winter und bleibe für immer. Das können wir gut nachvollziehen. Im Winter arbeiten die beiden Mittzwanziger als Skilehrer, im Sommer verdienen sie als Kellner und Verkäuferin ihr Geld. 

Natürlich bleiben wir wieder viel zu lange aber heute haben wir ja glücklicherweise eine Reservierung. Trotzdem wird die Fahrt etwas brenzlig, da Juna ‪um 18 Uhr‬ kurz davor ist einzuschlafen und am Campingplatz angekommen ziemlich fertig ist. Das Abendessen muss dann schnell schnell gehen, und als beide Kinder endlich schlafen ist es dann auch schon ziemlich düster draußen. Emilian wacht heute Abend auch besonders häufig auf, trotzdem schleiche ich mich mit Stirnlampe und Handtuch ausgestattet davon und will das Waschhaus aufsuchen, wo es Duschen geben soll. Die letzte Dusche ist nämlich schon wieder ein paar Tage her. Obwohl man das Duschhaus von unserem Platz aus durch die Bäume schon sehen kann, muss man ein ganz schönes Stück laufen. Im Dunkeln kommt mir der Weg ewig lang vor und mittlerweile ist es nun wirklich schon dunkel. Ich muss an den Bären von heute Morgen denken und bekomme wieder ein mulmiges Gefühl: Ich hier so allein mit meiner Stirnlampe und meinem Handtuch. Ich leuchte nach rechts, wo das Duschhaus auftauchen sollte, aber es ist nichts zu sehen. Jetzt werden auch die Stellplätze weniger, zur Linken befindet sich dichter Urwald. Ich sehe weiter hinten das Exit Schild im Schein meiner Lampe aufleuchten. Bin ich etwa schon vorbei gelaufen? Jetzt wird mir echt ein bisschen unheimlich und ich mache auf der Stelle kehrt. Etwas panisch und verzweifelt erreiche ich den Camper, in dem Christian gerade Emilian zum wiederholten Male bettet: „Ich find’s nicht! Ich find’s einfach nicht!“, keuche ich. Doch Christian, der bereits duschen war während ich die Kinder ins Bett gebracht habe, bleibt ganz cool und zeigt mir eine Abkürzung durchs Gebüsch. Ein kleiner Pfad verläuft von dem Stellpatz gegenüber direkt zum Waschhaus. Ich stapfe das kurze Stück, dann bin ich da. Im Waschhaus gibt es natürlich kein Licht. Also hänge ich die Stirnlame an die Stange, an der der Duschvorhang befestigt ist, schmeiße meine Münze ein und dusche los. Ich habe mich gerade abgetrocknet und angezogen, da erlischt das Licht der Stirnlampe. Wie bitte?? Ich stehe im Stockdunklen und schimpfe auf die Stirnlampe, die ich mir ausnahmsweise von Christian geliehen habe. Ungläubig betätige ich wie wild den Knopf der Lampe aber diese bleibt natürlich dunkel. Das darf ja wohl nicht wahr sein! Und wie komme ich jetzt bitteschön zurück? Ich fummele am Türschloss rum und trete nach draußen in die Nacht. Hier ist es auch nicht wirklich heller als in der Duschkabine. Niemals finde ich so den Weg! Ich stelle mir schon vor, wie ich lauthals nach Christian schreie, da geht die Stirnlampe plötzlich doch wieder an. Halleluja! Ich renne los und trampele so laut ich kann um alle umherstreunenden Bären und was sich hier sonst noch so im Unterholz rumtreibt, zu verjagen, durch den Pfad zu unserem Camper zurück. 

Golden erinnert ein wenig an eine Wüstenstadt. Hier hat es offensichtlich nicht geregnet, denn es ist staubtrocken und warm. Ein wenig irritieren hier allerdings die Plakate, die mit Abfahrtski werben. Allerdings kann es im Winter hier auch ganz schön kalt und verschneit werden. In Golden biegen wir wieder in die Berge ab, die allerdings deutlich moderater ausfallen als die Gletscherbedeckten Gipfel der Rockys. Hier übernachten wir auf einem gemütlichen Campingplatz mit Selbstregistrierung an einem schönen ruhigen See. Die Temperaturen sind wieder moderat, was uns allen gut tut. Junas Nase läuft momentan auch ziemlich, mir geht es aber langsam besser und Emilian erholt sich auch weiter. Wir befinden uns jetzt in British Columbia, wodurch wir wieder eine Stunde früher haben. Nachdem wir noch ein wenig am See gespielt haben, ziehen wir uns in unseren Camper zurück. Am nächsten Morgen geht es weiter in den Glacier National Park. Von Golden aus ist das nicht mehr weit, aber da es sich um einen sehr schönen Campingplatz handeln soll und die Plätze nach dem First-Come-First-Serve-Prinzip vergeben werden, wollen wir früh da sein. Zum Glück sind wir rechtzeitig da und finden auch gleich einen wunderschönen Platz für unseren Camper. Direkt hinter unserem Stellplatz plätschert ein kleines Bächlein und auf der anderen Seite rauscht ein breiterer Bergbach ins Tal.
 Wir registrieren uns beim Büro und reservieren gleich für zwei Nächte. Nach dem Mittag wollen wir gleich eine kleine Wanderung machen, von denen hier einige möglich sind. Auf dem Weg zum Ausgangspunkt werden wir von einer deutschen Familie angesprochen. Angeblich bestehe erhöhte Warnstufe vor Bären, so dass nur Wandergruppen von mindestens 4 Erwachsenen erlaubt seien. Wir schließen uns ihnen gerne an, da sie mit ihrem 10-jährigen Sohn Felix die gleiche Route wandern wollen wie wir. Mit von der Partie sind außerdem noch zwei junge Frauen, von denen ich im Laufe unserer Tour erfahre, dass die eine Kanadierin aus Montreal ist und die andere aus Barcelona stammt, allerdings auf La Palma geboren wurde. Die beiden haben sich während ihres Erasmusaufenthalts auf Island kennengelernt und die Spanierin ist gerade zu Besuch. Es wir ein netter Ausflug durch eine wunderschöne Landschaft. Wir erfahren von den Deutschen Tanja und Nils, dass sie aus Hamburg kommen und einen Teil der Route, der noch vor uns liegt, bereits hinter sich haben. 

 

Bären bekommen wir (zum Glück!) nicht zu Gesicht, dafür aber ein Stachelschwein, oder wie Tanja uns aufklärt: einen Baumstachler. Wie sein Name vermuten lässt, sitzt er ziemlich hoch oben in den Bäumen und versucht sich vor den neugierig fotografierenden Wanderer zu verstecken.

Wieder zurück am Campingplatz, verabreden wir uns mit Tanja und Nils noch für den kommenden Tag. Dann wollen wir erneut mit ihnen wandern.

Das machen wir dann auch, diesmal eine etwas längere und auch anspruchsvollere Tour. Ohne die ganzen Kinder auf Bauch und Rücken wäre die Tour auch nur halb so anstrenged, aber mit den ganzen Extrakilos Marschgepäck kommen wir doch beide ziemlich ins Schwitzen.

Die Aussicht am Ende der Wanderung auf Wasserfälle und Gletscher, belohnt dann aber unsere Mühen um so mehr.

Wieder begegnen wir keinem Bären, obwohl im Camp der Eindruck entsteht, der nächste Bäre warte bereits hinter der nächsten Ecke. Offensichtlich hat es in den letzten Tagen viele Bärensichtungen gegeben. Einige davon direkt im Camp und teilweise aus sehr geringer Entfernung (das wenigste waren 5m!). Auf so eine Begegnung sind wir natürlich nicht aus und so befolgen wir gerne die Bärenvermeidungsregeln und unterhalten uns möglichst viel und möglichst laut. Das klappt mir Tanja, Nils und Felix auch wirklich gut. Juna fasst auch schnell Vertrauen und geht bei Tanja und später auch an Felix Hand sogar einen Teil des Rückwegs selbst. Das ist auch nötig, denn Christian ist leider mit ihr auf dem Rücken umgeknickt und braucht ein wenig Schonung. Die Natur gefällt uns hier wieder besonders gut. Der Wald erinnert an einen Märchenwald mit den moosbewachsenen Felsen, plätschernden Bächlein, dichten Farnen und alten Bäumen. Der Gletscher ist deutlich spürbar. Die Luft ist frisch und kühl. Nachts kühlt es deutlich ab. Aber mittlerweile haben wir unseren Schlafplatz so eingerichtet, dass keiner mehr frieren muss. Trotzdem hat Juna jetzt einen ordentlichen Schnupfen und auch Emilians Erkältung ist noch nicht ausgestanden. 

Unser Stellplatz und unser Camper 

Am nächsten Tag lassen wir den Gletscher entgültig hinter uns und kurven uns hinab zu den Seen um Salomon Arm. Hier übernachten wir eine Nacht am Shuswap Lake in Sunnybrae. Wir erreichen den Campingplatz am Nachmittag und genießen den Luxus einer Reservierung. Einfach vorfahren und einchecken, kein Bibbern um einen Stellplatz. Die Schönheit der Natur kommt hier zwar bei Weitem nicht an die des Glacier National Parks heran, trotzdem gefällt es uns hier denn es gibt einen schönen See zum baden, heiße kostenlose Duschen und es ist endlich wieder sommerlich warm. 

 


Am See von Sunnybrae

Abends sehen wir die ersten Lagerfeuer auf unserer Reise. Obwohl Kanada angeblich bekannt ist für seine Lagerfeuermentalität, haben wir wegen des strikten Feuerverbots noch keine Lagerfeuer zu Gesicht bekommen. Hier sind die Auflagen scheinbar nicht so streng und Kohle- oder Gasfeuer sind erlaubt, da sie weniger Funkenflug verursachen. 


Den Sanistopp hätten wir uns doch glatt sparen können…

Unser nächstes Ziel ist der Wells Gray Nationalpark. Hier haben wir wieder keine Reservierung, daher fahren wir am nächsten Tag wieder so nah an den Park wie möglich um einen Tag später möglichst früh einen der begehrten Plätze zu ergattern. 


Auf dem Weg nach Clearwater

So landen wir in Clearwater, dem Eingang zum Wells Gray Nationalpark, das erste Mal auf unserer bisherigen Reise auf einem sogenannten RV Park. Im Vergleich zu unseren sonstigen Stellplätzen in Provicial Parks, ist es doch ausgesprochen hässlich hier. Kahle Stellpätze auf Schotter, ein oller Spielplatz und ein halb vertrockneter Teich in dessen Mitte ein Springbrunnen das grüne Wasser umwälzt. Aber: es gibt einen kleinen Swimmingpool und eine Waschmaschine samt Trockner. Wäsche auf der Leine zu trocknen ist nämlich (warum auch immer) verboten. Das Angebot nutzen wir natürlich und waschen das erste Mal. Wir stehen auch das erste Mal mit „Fully Hook-up“, was bedeutet, dass wir Strom haben und Frisch- und Abwasser ebenfalls direkt beziehen bzw. abführen. Den Sani-Stop am Morgen hätten wir uns also sparen können. Außerdem gibt es W-Lan und ich mache mich ran, ein bisschen zu schreiben und zu veröffentlichen. Allerdings ist die Verbindung so schlecht, dass ich bald ziemlich entnervt aufgebe. Nein, es ist schon schöner irgendwo in der Wildnis zu stehen und um sich das Raschen eines Flußes, des Windes in den Tannen oder das Zirpen der Grillen zu hören. Daher freuen wir uns besonders auf das was uns am nächsten Tag erwartet. 

So schnell es eben geht (also gegen 10:30) verlassen wir am nächsten Morgen unsere Campsite und begeben uns auf das letzte Stück Straße, bevor diese am Wells Gray Nationalpark endet. Die ersten 40 km sind Asphaltstraße, dann kommen 20 km Gravel Road, also Schotterpiste. Diese sind aber gut platt gewalzt, so dass wir sie mit unserem Truck ohne Probleme mit bis zu 60kmh fahren können.

Unser Stellplatz im Wells Gray Provincial Park

Am Park angekommen, finden wir glücklicherweise auch noch einen schönen Platz. Hier ist es wieder so, wie es uns gefällt: Mitten im Grünen und direkt am rauschenden Fluss. Wir registrieren uns gleich für zwei Nächte und wollen dann aufbrechen zu einer Wanderung am schönen See.


Am See

Leider kommen wir nicht weit. Mit rotem Band wurde der Zugang zur Wanderroute abgesperrt: Wegen erhöhter Waldbrandgefahr gesperrt. Wir sind enttäuscht und erkundigen uns beim örtlichen Café, wo wir stattdessen wandern können. Zu unserer Enttäuschung erfahren wir, dass so gut wie alle Wege wegen Waldbrandgefahr gesperrt sind. Da haben wir uns gerade zwei Nächte eingecheckt (und natürlich schon bezahlt), da ist alles gesperrt, was wir eigentlich machen wollten. Wir spazieren den einzigen Weg, den man vor Ort laufen kann und machen dann ein kleines Picknick am See um uns zu sortieren.


Die Kanadierin

Wir beschließen, am nächsten Tag weiter zu fahren. Immerhin sind wir schon einen Tag hinter unserer Zeitplanung. Außerdem sehen wir, dass das Wetter am nächsten Tag nicht besonders gut werden soll. Wir wollen also Kilometer machen und uns weiter Richtung Westen vorarbeiten. 

Am Abend machen wir noch einen kleinen Spaziergang über den Campingplatz und lernen dabei Katja und Steffen kennen, die mit ihrer 14-monatigen Tochter Valeria ebenfalls in Elternzeit unterwegs sind.

Abendessen mit der Campingbekanntschaft

Am nächsten Morgen ist das Wetter wie angekündigt: es regnet Bindfäden. Da tut der Abschied auch nicht so weh. Wir verlassen Wells Gray etwas enttäuscht aber mit Vorfreude auf das was uns bevorsteht. Immerhin sind wir Richtung Vancouver Island unterwegs und auf die Insel freuen wir uns schon ganz besonders. 

Zunächst führt uns unsere Route aber weiter Richtung Westen über die Hochebene, das Interior Plateau und dann weiter Richtung Süden. Wir haben den breiten Highway verlassen und schlängeln uns durch ein gemütliches Tal, das uns stark an einen Westernfilm erinnert. Die Menschen scheinen hier zurückgezogen und recht einfach zu leben. Das Tal wird von einer breiten Wiese durchzogen auf der Pferde grasen und nur selten einfache Holzhäuser zu finden sind. Ab dem Ort 100 Mile House geht es Richtung Süden. Die Orte, die wir hier durchqueren (83 Mile House, 70 Mile House) scheinen Durchfahrten auf einer alten Route zu sein. Der Weg windet sich über sanfte Hügel an Wäldchen und kleineren Seen vorbei. Man kann sich richtig vorstellen, wie hier früher die Cowboys auf ihren Pferden unterwegs waren und die Orte nach ihrer Entferung benannt haben. In Clinton machen wir Rast, hier gibt es in einer Tankstelle endlich wieder einen (ziemlich spartanisch ausgestatteten) Supermarkt. Von hier aus ist es nicht mehr weit bis zum Tagesziel von heute: ein kleiner Campingplatz am See. Doch als wir dort endlich ankommen, ist die Schranke geschlossen: Closed. Wir sind baff und etwas ratlos. Und jetzt? Wir sind schon seit etwa 5 Stunden unterwegs und haben uns gefreut, endlich angekommen zu sein. Doch uns bleibt nichts anderes übrig als weiter zu fahren. Wir fahren entlang des Sees und erreichen die Straße, die auf der Karte mit „Summer Use Only“ vermerkt ist. Und uns wird auch gleich klar warum: Es handelt sich um eine Gravel Road, die ziemlich schotterig, ziemlich steil und ziiiiiemlich eng ist. Christian schaltet vorsichtshalber unseren 4×4 Antrieb an. Einen Unterschied merken wir nicht, aber wir fühlen uns so doch ein bisschen sicherer als wir uns die enge unbefestigte Straße, die durch keinerlei Begrenzung gesichert ist, hinaufwinden. Es geht immer höher und höher hinauf und wir haben einen weiten Blick auf die umliegenden grünen Berge und den See, der in weiter Tiefe unter uns liegt. Bei uns werden natürlich gleich Erinnerungen an unsere Busfahrten durch Nepal wach. Nur, dass uns hier zum Glück keine Busse in halsbrecherischem Kamikazetempo entgegenkommen, die uns mit ihren schrillen Hupmelodien aus dem Weg scheuchen. Trotzdem, ganz geheuer ist uns die Straße auch hier nicht und wir sind froh, als wir den Zenit überschritten haben und uns auf einer Art Plateau befinden. 

Irgendwo im Nirgendwo

Hier ist das Gras gelb vertrocknet und der Blick weit. Langsam kurven wir uns wieder hinab und haben eine wunderschöne Aussicht auf einen tiefen Canyon.

Nach einer weiteren Stunde errerichen wir den nächsten Campingplatz in Lilooet. Und dieser ist tatsächlich kostenlos! Das gleicht unsere Rechnung sozusagen wieder aus, denn wir hatten diese Nacht ja eigentlich in Wells Gray geplant und eben auch schon bezahlt. Wir finden zum Glück auch noch ein süßes Fleckchen, in das wir so gerade reinpassen. Als wir aussteigen trifft uns fast der Schlag. Hier sind es knapp 30 Grad! Die Temperaturunterschiede, die wir hier erleben, sind wirklich extrem, denn heute Morgen sind wir bei unter 10 Grad losgefahren.

Als ich mit Juna die Toiletten aufsuche, lernen wir die 5 1/2-jährige Bree kennen, die mit ihrer Mutter Liz, ihrer 1 1/2-jährigen Schwester Brooklyn und ihren Großeltern seit ein paar Tagen hier campt. Bree und Juna sind trotz sprachlicher Differenzen sofort auf einer Wellenlänge und haben dank ihrer pantomimischen Fähigkeiten auch kaum Verständigungsprobleme. Bree nimmt Juna und mich gleich mit zum nahen Bächlein und weiht Juna in die Kunst des Steichenzertrümmerns ein. Juna ist allerdings schon so k.o., dass sie ständig irgendwie hinfällt oder aus sonst einem Grund weinend in sich zusammen bricht.

Wir sind froh, als endlich alle Kinder im Bett liegen und schlafen. Mit nur einem Mal Stillen in der Nacht wird es für mich die beste Nacht unserer Reise.


Endlich Abendessen

Auf dem Weg zu unserem Wohnmobil unterhalte ich mich mit der Fahrerin unseres Shuttles. Sie erzählt mir von ihrer knapp zwei-jährigen Tochter, mit der das Reisen wohl etwas anstrengend sei. Emilian schläft zum Glück gerade wieder in der Trage als wir abgeholt werden, so dass sich die Frage nach dem Maxi Cosi erneut erübrigt. Als wir die Abholstelle erreichen, werden wir von einem Mann in Empfang genommen, der uns zunächst mit ein bisschen Papierkram behelligt. Dann düfen wir endlich unser Wohnmobil, das eigentlich ein Truck Camper ist, inspezieren. Auf dem überdimensionierten Pick-up Truck ist eine Campingeinheit befestigt. An der Seite muss man über das sogenannten Slide-out die Sitzecke und den Kühlschrank rausfahren, damit im Innenraum Platz entsteht. Im Alkhofen über der Fahrerkabine des Trucks befindet sich das 180×200 cm große Bett. Dort werden wir die nächsten vier Wochen alle schlafen. Es gibt zwar noch zwei weitere Schlafplätze – ein herunterfahrbares Hochbett über der Sitzecke, sowie einen Schlafplatz, den man durch Umbau der Sitzecke erhält – wir gehen aber davon aus, dass Juna, genau wie zuhause, nicht alleine schlafen wollen wird. Außerdem verfügt unser neues Heim über ein Mini-Badezimmer mit Toilette, Dusche und Waschbecken, sowie über eine Kocheinheit mit Spüle, Gasherd mit drei Platten, einer Dunstabzugshaube und einen Backofen. Wir bekommen alles mehr oder weniger genau erklärt. Von der Sonnenmarkise über die Klospülung bis zur Schwarz- und Grauwasser Entleerung und Neubefüllung des 70 Liter Wassertanks. Der Mann bemerkt allerdings mehrfach, dass nicht die Wohneinheit das Besondere an unserem Gefährt sei, sonder der nagelneue Truck, um den uns garantiert viele andere Camper beneiden würden. Wir sollten uns schon mal darauf einstellen, dass wir ständig angesprochen würden weil sich die Leute für unseren Truck interessierten. Im Truck finden wir einen Kindersitz für Juna, den wir angeblich nur auf dem Rücksitz befestigen dürfen. Immerhin befinden sich hinten drei vollwertige Sitze und auch vorne lässt sich die Mittelkonsole zu einem weiteren Sitz umbauen. So kann ich mit beiden Kindern hinten fahren. Geplant war eigentlich, dass Juna mit Christian vorne fährt und ich hinten mit Emilian, aber so geht es auch und so kann sich Christian voll aufs Fahren konzentrieren.
Bis wir alles montiert haben, ist es bereits mittags. Wir machen uns auf den Weg zum Einkaufen. In der Nähe soll es einen Walmart geben. Da wir aber so mit Informationen überflutet wurden, haben wir natürlich vergessen, wie wir da hin kommen und verfahren uns gleich mal. Den riesen Truck zu fahren ist für Christian auch ziemlich ungewohnt und fühlt sich an, als würde er ein kleines Flugzeug steuern. Zum Glück sind wir bald wieder auf dem richtigen Weg und finden dann auch unser Einkaufszentrum. Dort decken wir uns mit Lebensmitteln, Wasser und Windeln ein und beladen damit unser neues Heim.
Dann kann die Reise in die Berge endlich beginnen. Vor uns liegt eine ziemlich lange Etappe. Das Navi sagt knappe 4 Stunden, gute 300 km. Wenn es um Entfernungen und Geschwindigkeiten geht ist Kanada Europa ähnlicher. Denn diese werden in Kilometern angegeben und auch die Einheiten von Lebensmitteln werden in Gramm und Litern gemessen. Ansonsten haben wir einen überraschend amerikanischen Eindruck von diesem Land gewonnen. Überall fahren riesige Trucks wie unserer durch die Gegend und auch die Infrastruktur erinnert an die der USA.
Unser Weg in die Berge führt uns über einen schnurgeraden Highway in Richtung Westen. Etwa 100 km vor unserem Ziel, kommen im Dunst des Gegenlichts die Berge in Sicht. Langsam wird es hügeliger um uns herum, der Highway windet sich nun durch ein breites Tal umgeben von Bergen.
Endlich erreichen wir unseren Campingplatz Poccahontas. Dort haben wir zum Glück einen Platz reserviert, denn ein Schild am Eingang siganlisiert uns, dass der Platz komplett ausgebucht ist. Rückwärts einparken geht natürlich nur mit Einweisung und dann stehen wir endlich an unserem ersten Platz. Es gibt ein Waschhaus direkt in der Nähe unseres Platzes, mit richtigen Toiletten und Waschbecken. Leider gibt es auch jede Menge Mücken, so dass wir unser Abendessen (Kartoffelbrei mit Spiegeleiern und Salat) lieber drinnen essen.
In der ersten Nacht im Camper müssen wir uns erstmal sortieren. Erst ist es furchtbar warm, so dass mir ein Laken ausreicht. Im Laufe der Nacht wird es dann aber ziemlich frisch und es zieht fürchterlich am Fenster, an dem Emilian und ich schlafen. Ich versuche das Fenster irgendwie abzudichten, friere aber trotzdem. Am nächsten Morgen habe ich ordentliche Halsschmerzen.
Unser Truck
Trotzdem wollen wir ein bisschen wandern gehen und die Gegend erkunden. Mit beiden Tragen und etwas Proviant ausgestatten, machen wir uns auf den Weg in den umgebenden Wald. Juna lässt sich natürlich gerne in der Trage auf dem Rücken tragen. Wir wechseln uns mit den Kindern und dem Rucksack ab und bekommen so ein ordentliches Sportprogramm. Unten am Eingang des Poccahontas Feriendorfs machen wir eine Rast und erkunden uns dann nach Möglichkeiten für den Nachmittag. Anscheinend gibt es ganz in der Nähe heiße Quellen, die wir besuchen wollen. Wir wandern also zum Campingplatz zurück und machen uns dann langsam bereit für das Schwimmen in den heißen Quellen.
Der Weg dorthin führt uns weiter durch die Berge und an steilen Felsmassiven vorbei.
Das Bad in den Quellen erinnert ein wenig an den Besuch in einem Freibad mitten in den Bergen. Allerdings ist das Wasser in den zwei großen Becken angeblich 40 Grad heiß! Gleich daneben gibt es aber kleinere Becken mit kaltem Wasser, in denen man sich alle 10 Minuten abkühlen soll.
Nach unserem Bad geht es wieder zurück zum Campingplatz.
Am nächsten Morgen geht es für uns weiter Richtung Jasper. In dem touristischen Städtchen decken wir uns in einem kleinen Supermarkt mit neuen Lebensmitteln ein. Auf dem Weg Richtung Lake Louise, einem der touristischsten Orte auf der Route durch die Rocky Mountains, kommen wir an einigen Campingplätzen vorbei, die bereits voll sind. An einem kleinen Platz, genannt Jonas, finden wir dann aber noch einen freien Stellplatz. Hier gibt es kein Servicepersonal, sondern man muss sich selbst registrien, was wir bereits aus Neuseeland kennen. Meine Halsschmerzen sind leider nicht besser geworden und der Besuch in den heißen Quellen hat auch nicht gerade zu meiner Genesung beigetragen. Daher lege ich mich für ein Viertelstündchen hin, während Christian mit den Kindern ein wenig die Umgebung erkundet. Anschließend nehmen mich die drei noch mal mit und zeigen mir eine kleine Wanderung am Bach entlang.
Leider entwickelt Emilian an dem Abend plötzlich ziemlich starkes Fieber. Es steigt innerhalb kurzer Zeit auf über 38 Grad und weiter über 39. Emilian glüht und wacht immer wieder fürchterlich schreien auf. Ich stelle mich schon auf einen Fieberkrampf ein, da das Fieber so schnell steigt. Zum Glück bleiben wir davon verschont und das Fieber steigt nicht über 39,6. Die Nacht wird allerdings ziemlich anstrend, da Emilian immer wieder schreiend aufwacht und sich erstmal auch nicht beruhigen lässt. Mir tun unsere Nachbarn leid, ein nettes Rentnerpaar aus Montreal, mit denen wir uns nachmittags noch sehr nett unterhalten haben. Und Juna natürlich, aber die schläft erstaunlicher Weise ziemlich unbeteiligt weiter.
Für den nächsten Tag haben wir dann auch wieder ziemlich was vor. Wir wollen nach Lake Louise. Und da es dort ziemlich voll sein soll, wollen wir vor 11 vor Ort sein um noch einen Platz auf dem Campingplatz zu ergattern. Emilian hat weiterhin Fieber, allerdings nur noch etwas über 38 Grad. Trotzdem hängt er eigentlich die ganze Fahr über an meiner Brust und schläft immer wieder ein.
Zwischenstopp. Jetlag und krank :(
Aus Zeitgründer fahren wir auch am Icefield Center vorbei und verpassen so den Besuch der Gletscher. Schade, denn als wir um 10:30 am Campingplatz ankommen ist dieser auch bereits ausgebucht. Wir bekommen einen alternativen, 20 Minuten entfert, empfohlen. Wieder verfahren wir uns und fahren erst 20 Minuten auf der falschen Straße. Dann finden wir den Campingplatz aber doch und dort auch noch einen Platz. Hier ist es auch ganz schön auch wenn das Wetter ziemlich schlecht ist. Nach einem Mittagsimbiss, fahren wir erneut in die Stadt und zu dem Campingplatz und machen unseren ersten Sani-Stop: Wir müssen unser Dreckswasser loswerden und neues Wasser auffüllen. Bei dem Dauerregen gar keine schlechte Aktivität. Danach statten wir dem Städtchen Lake Louise noch einen kleinen Besuch ab. Im Visitorcenter gibt es Internet. Wir schicken Lebenszeichen an unsere Familien. Danach gehen wir noch etwas einkaufen.
Unser Stellplatz
Am nächsten Morgen ist Emilians Fieber verschwunden, er ist jetzt allerdings ziemlich heiser. Wir packen morgens schnell alles zusammen und fahren früh zum See Lake Louise um noch einen der wenigen Parkplätze zu ergattern. Das Wetter ist wieder nicht besonders schön, aber es ist trotzdem unglaublich viel los. Die Uferpromenade des Sees ist überfüllt mit (hauptsächlich asiatischen) Touristen. Dahinter thront das „Chateau Lake Louise“, ein ziemlich protziges Hotel. Wir entkommen dem touristischen Treiben, indem wir eine Wanderung zum Teehause, ca 4km entfernt, starten. Leider geht der Weg dorthin nur bergauf. Ich trage zunächst Juna, Christian Emilijan und den Rucksack. Als wir etwa die Hälfte geschafft haben, kann ich nicht mehr. Immerhin bin ich immer noch angeschlagen. Wir versuchen Juna zu motivieren, ein Stück zu laufen, doch als es immer stärker regnet, geben wir nach und nun trägt Christian sie und den Rucksack. Mir reicht Emilian, der langsam auch ungemütlich wird.
Als wir ENDLICH die Holzhütte erreichen, geht es dort zu wie in einer Flüchtlingssammelstation. Die Leute drängen sich dicht an dicht in dem kleinen Raum, alles ist nass und klamm, alle frieren und wollen nur ein heißes Getränk. Es gibt nur sehr wenige Tische und Sitzmöglichkeiten doch zu unserem Glück wird gerade etwas frei, als wir reinkommen. Zwar wartet bereits eine andere Familie mit einem kleinen Mädchen, aber wir dürfen uns dazu setzen. Wie sich herausstellt, sind die drei Italiener und das Mädchen, das zunächst einen kleinen Mittagsschlaf auf dem Schoß seiner Mutter macht, ist viereinhalb Jahre und heißt Lisa. Kein Wunder, dass sie schläft, angeblich ist sie nämlich den ganzen Weg hinauf alleine gelaufen! Ob das mit Juna in einem Jahr auch möglich sein soll? Wir bezweifeln es… Die ist putzmunter und kann es kaum erwarten, dass ihr endlich ihre heiße Schokolade gebracht wird. Christian und ich teilen uns eine Kanne Kräutertee und außerdem eine heiße Suppe und einen Lachsbagle. Draußen hört es langsam auf zu regnen und die Situation in der Hütte entspannt sich langsam. Nach unserer Stärkung brechen wir wieder auf.
Nach dem Regen ist es richtig schön draußen. Die Luft ist klar und frisch, der Weg wenig besucht. So können wir unseren kleinen Ausflug doch noch genießen.

 

 

 

Zurück am Camper machen wir uns auf den Weg raus aus den Rockys, in die Columbia Mountains. Wir verlassen die hohen Berge und fahren nach Golden.

Der Start unserer Reise beginnt zunächst etwas holprig. Die erste Etappe geht von Münster nach Amsterdam. Dort wollen wir eine Nacht im Hotel in Flughafennähe übernachten um dann am nächsten Tag keinen Stress bei der Anreise zu haben. Zum Glück haben wir so geplant, denn als wir in Münster in unseren Zug nach Rheine steigen, bleibt dieser erstmal 10 Minuten länger als geplant am Gleis stehen. Als wir dann endlich losfahren, teilt uns der Lokführer über Lautsprecher mit, dass einige der vor uns liegenden Bahnübergänge manuell betätigt werden müssen und sich unsere Ankunft in Rheine dadurch weiter verzögert. Zwar kann er später auf freier Strecke einige Minuten wieder wett machen, trotzdem verpassen wir unseren Anschluss nach Amsterdam in Rheine um wenige Minuten.
Nachdem wir uns im Reisezentrum über unsere weiteren Reisemöglichkeiten informiert haben, wandern wir mit unserem Gepäck in die Stadt von Rheine und lassen uns im nächstbesten Café nieder. Der nächste Zug nach Amsterdam geht nämlich erst in zwei Stunden…

Es gibt Eiskaffee für mich und Vanilleeis für Juna. Christian gibt sich mit einer Apfelschorle zufrieden.

Frohen Mutes geht es am späten Nachmittag endlich weiter. 

 

Die weitere Fahrt nach „Hamster Damster“ (Zitat Juna) verläuft problemlos.

Warten auf den Anschluss Richtung Flughafen in Amsterdam.

Ziemlich k.o. erreichen wir abends endlich das Hotel. Doch was ist das? Es liegt keine Reservierung für uns vor! Nun werden wir doch ein wenig unruhig. Es stellt sich heraus, dass wir aus Versehen für eine Nacht später reserviert haben! Zum Glück lässt sich diese Reservierung über die Buchungsagentur stornieren und – was noch wichtiger ist! – es gibt auch noch ein Zimmer für uns. Glück gehabt! Endlich beziehen wir unser Zimmer und schaffen es auch nicht mehr ins Restaurant oder sonst wo hin. Beim  Zimmerservice bestellen wir Satay, Salat und Pommes.

Von unserem Zimmer im 12. Stockwerk aus können wir bereits die Flugzeuge starten sehen. Alle sind gespannt auf den kommenden Tag.

Guten Appetit und Gute Nacht!

Am nächsten Morgen machen wir uns ganz in Ruhe auf den Weg zum Flughafen. Unser Frühstück besorgen wir uns an der Bahnstation. Wir sind so früh am Flughafen, dass unser Flug noch gar nicht angezeigt wird. Aber wir haben auch noch etwas zu erledigen. Beim Versuch online einzuchecken, stellte sich heraus, dass unsere drei gebuchten Plätze nicht alle nebeneinander liegen. Einer der Plätze liegt in der Reihe hinter den beiden anderen. Wir können uns also überlegen ob ich mit Emilian und Juna sitze und Christian hinter uns, oder ob Christian neben mir und Emilian sitzt und Juna alleine hinter uns. Beides nicht gerade optimal. Leider erfahre wir am Schalter der Gepäckaufgabe, dass an der Reservierung nichts zu ändern ist. Wir können nur darauf hoffen, dass nette Leute mit uns den Platz tauschen.

Da wir noch Stunden Zeit haben (so viel früher waren wir wirklich noch nie am Flughafen!), gehen wir erstmal auf die Panoramaterrasse, von wo aus wir Flugzeuge beobachten können.

 

Sicherheits- und Passkontrolle laufen zäh aber ohne besondere Vorkommnisse ab. Als wir endlich im Flieger sitzen, ist Junas größtes Problem, dass sie keinen Fensterplatz hat. Leider ist keiner der von uns reservierten Plätz ein Fensterplatz. Und auch die Passagiere nebwen uns, die unser Platzproblem lösen könnten, machen keinerlei Anstalten uns helfen zu wollen, obwohl sie unser Problem natürlich mitbekommen. Mir fehlt dann auch die Courage sie expliziet zu fragen und so bleibt es dann dabei.

Der Flug ist mit knapp 9 Stunden eigentlich gar nicht soo lang (verglichen mit unseren Neuseelandflügen natürlich!). Aber da beide Kinder jeweils nur zwei Stunden davon schlafen und die restliche Zeit beschäftigt werden wollen, wird die Zeit zwichendurch schon phasenweise lang. Trotzdem sind wir am Ende des Fluges erstaunt darüber, wie gut es mit beiden geklappt hat und wie wenige Tränen vergossen wurden.

Die große Juna und ihr erstes eigenes Flugzeugessen!

Das Flugzeug mein Spielplatz



Kaputtgespielt

Die Ankunft in Edmonton erinnert uns gleich an unsere Ankunft in Neuseeland. Der Flughafen ist klein und entspannt. Die Einreise ist unkompliziert, obwohl die harsche Frage der Einreisebeamtin „What is the purpose of your stay?“ gleich einen kleinen Vorgeschmack auf die Einreise in die USA zu geben scheint. Bei der Gepäckausgabe läuft dann auch noch eine Beamtin mit einem Spürhund durch die watenden Passagiere. Vielleicht ist Kanada doch den USA ähnlicher als gedacht.


Endlich da!

Mit unserem Gepäck verlassen wir den Sicherheitsbereich und suchen den Schalter des Skyshuttles, das uns zum Hotel bringen soll. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln würde es zwar auch gehen, allerdings mit mehrmaligem Umsteigen und deutlich höherem Zeitaufwand. Das sind uns die Extradollars wert und wir kaufen uns Tickets. Leider haben wir das 16 Uhr Shuttle knapp verpasst und müssen auf das nächste um 17 Uhr warten. Wir nutzen die Zeit und das öffentliche W-Lan um uns über Prepaid Anbieter zu informieren. Leider gar nicht so einfach, denn es gibt zwar massenweise Anbieter aber keiner bietet bundesstaatenübergreifend mobiles Internet, so wie wir es eben brauchen. Wir verschieben die Suche auf später und steigen ins Shuttle. Der Ticketverkäufer hatte uns bereits darauf hingewiesen, dass der Bus wahrscheinlich voll würde und wir deshalb die Kinder auf den Schoß nehmen müssten. Anscheinend nimmt man es hier nicht so eng mit der Anschnallpflicht. Da Emilian endlich in der Manduca eingeschlafen ist, ist es mir ganz recht, dass er einfach darin weiterschlafen darf.
 Eine gute halbe Stunde später erreichen wir unser Hotel Matterra auf der Whyte Street. Das macht gleich einen ganz guten Eindruck. Zum Glück läuft diesmal mit dem Check-in alles problemlos und wir können wenig später unser Zimmer beziehen. Jetzt noch schnell was zu Essen auftreiben. Juna hat immer noch nicht geschlafen, Emilian ist auch wieder wach. Wir wandern die Straße entlang, kommen an einem viatnamesischen Imbiss vorbei, zu unauthentisch. Dann taucht eine Art Diner auf, klein und ein bisschen retro. Das sieht gut aus. Wir fragen einen älteren Mann mit John Lennon-Gedächtnisbrille, der davor sitzt und auf sein Essen wartet, ob der Laden zu empfehlen sei. Er bejat, gibt aber zu bedenken, dass da drinnen auch Alkohol verkauft wird und wir deshalb mit den Kindern wahrscheinlich nicht rein dürften. Wir könnten allerdings fragen, ob wir draußen sitzen dürften. Was für eine komische Regel denke ich, fast schon typisch amerikanisch. Aber wir sind doch in Kanada. Naja. Ich gehe, mit Klein-Emilian auf dem Arm, in das Restaurant und spreche den erstbesten Typen an, der mir hinterm Thresen begegnet. Er ist groß, tätowiert und hat gestrechte Ohrlöcher. Auch der Rest, der Bedienung macht einen ähnlichen Eindruck, der Laden wirkt ziemlich entspannt. Eigenlich schade, wenn wir wieder gehen müssten. Ich spreche ihn an. Er drückt mir mit einer extrem basslastigen Stimme sein Bedauern aus, aber das seien nunmal die Regeln. Wir dürften mit den Kindern weder drinnen noch draußen bedient werden. Echt seltsam. Was sind denn das bitte für Regeln fragen wir uns als wir weiter ziehen. Kann man nicht selbst entscheiden, ob man seine Kinder dem Konsum von Alkohol aussetzen möchte? Naja. Der Typ aus dem Laden hat mir jedenfalls den Mexikaner in die andere Richtung empfohlen. Den hatten wir gleich am Anfang schon bemerkt und da gehen wir jetzt auch hin. Man kann drinnen und draußen sitzen. Als die Bedienung sieht, dass wir zu viert sind, platziert sie uns drinnen. Da ist es düster, die Ventilatoren bewegen die Luft und eine Mischung aus Stimmengewirr und irgendeiner Popmusik erfüllt den Raum. Emilian wirkt ziemlich überfordert von all den Eindrücken. Als die Bedienung wieder kommt, bitten wir darum, doch draußen sitzen zu dürfen. Leider ginge das nicht, entgegnet uns die Bedienung, da wir nun schon drinnen säßen, dürfe sie uns nicht mehr umsetzen. Also diese Regel will uns nun gar nicht einleuchten. Völlig überfordert bestellen wir einfach Tortillas und Wasser. Doch Emilian baut ab und müsste gestillt werden und bei all den Regeln will ich gar nicht erst versuchen hier im Restaurant zu stillen. Und da unser Hotel direkt nebenan ist, gehe ich einfach rüber und lasse mir mein Essen von Christian mitbringen.


Völlig durch. 


Kurze Zeit später liegen wir alle ziemlich erschöpft im Bett und schlafen. Leider ist die Nacht für Juna um 4 Uhr dann auch schon wieder vorbei. Immerhin ist für sie gefühlt ja schon wieder Mittag. Christian versucht sie mit Hörbuch und Geflüster noch ein bisschen ruhig zu halten, Frühstück gibt es erst um 6:30. Bis dahin ist Emilian dann aber auch endgültig wach und wir begeben uns alle zum reichhaltigen Frühstück des Hotels. Hier gibt es wirklich alles was das Herz begehrt. Von Müsli über Toastbrot mit Käse oder Marmelade bis Bacon und Rührei ist alles dabei. Wir lassen es uns schmecken und packen dann unseren Rucksack für einen Tagesausflug in die Stadt. Vom Hotel aus sind es bestimmt 3-4 Kilometer bis in die Innenstadt. Aber da Edmonton auch bekannt ist für seine ausgedehnten Grünflächen wollen wir vor allem auch diese zumindest teilweise erkunden.


Gegen Mittag wird es langsam anstrengend. Immerhin bricht jetzt für uns gefühlt der Abend und die Nacht an. Aber anstatt zurück ins Hotel zu gehen, beschließen wir Downtown zu gehen und uns die Innenstadt Edmontons anzusehen. Wir fragen zwei Frauen in unserem Alter wo wir in der Innenstadt einen Happen essen können. Sie empfehlen uns das Restaurant Good Earth. Dank unserer Offlinekarte finden wir das auch ganz leicht und lassen uns dort zum Mittagessen nieder. 


Mittagspause im Good Earth.

Mich wundert nur, dass alles in Wegwerf Verpackung verkauft wird, obwohl sie auch einfach Teller und Becher benutzen könnten. Immerhin verfügt das Restaurant auch über Tische und Stühle und sogar eine kleine Terrasse, wo wir uns hingesetzt haben. Warum sie sich dann auch noch „Eco“-irgendwas nennen, wird uns nicht klar. 

Nach dem Päuschen ziehen wir weiter. Immerhin steht ja auch noch die Aufgabe „Prepaid Karte besorgen“ auf unserem Plan. Dass wir hier kein Fußgängerzone mit Geschäften finden werden, ist uns irgendwie klar. Bisher war alles so amerikanisch, dass wir davon ausgehen, dass wir nach einer Mall suchen müssen um sowas wie Mobilfunkunternehmen zu finden. Tatsächlich finden wir auch eine und fragen und dort von Mobilfunkladen zu Mobilfunkladen durch. Das was wir suchen, scheint wirklich eine Seltenheit zu sein. Wir können zwar Datenvolumen und Freiminuten kaufen, die gelten dann aber nur im Bundesstaat Alberta, in dem wir uns gerade befinden. Wir werden aber den größten Teil unserer Reise im Staat British Columbia verbringen. Nachdem wir wirklich bei jedem einzelnen Mobilfunkunternehmen waren, werden wir endlich bei Source fündig. Der Spaß hat zwar auch seinen Preis (70 CA$ also ca. 47 €), aber immerhin können wir so von unterwegs telefonieren und – was noch wichtiger ist – das Internet nutzen und so nach Campingplätzen suchen und uns in Städten zurechtfinden.

Nachdem wir dieses Problem nun endlich gelöst haben, ist es auch schon langsam Zeit, uns auf den Weg zurück ins Hotel zu machen. Wir wollen allerdings noch ein ein paar Sachen zu Essen einkaufen. Glücklicherweise kommen wir an einem kleinen Lebensmittelladen vorbei, der uns schon auf dem Hinweg aufgefallen ist. Als wir ihn betreten, wissen wir sofort wo wir gelandet sind: Ein Bioladen! Der Geruch ist einfach unverwechselbar. Hier gibt es alles in Bio und teilweise sogar unverpackt! Als ich mir eine Nussmischung in meine Tupperdose abfüllen möchte, kommen wir mit dem Besitzer ins Gespräch. Er erzählt uns, dass der Laden leider nicht so gut laufe, weil kaum einer in Edmonton Wert auf Bio oder unverpackte Lebensmittel legen würde. Daher müsse er diesen Laden leider bald schließen. Er habe aber noch einen anderen und der laufe ein bisschen besser. Wir decken uns mit Nüssen, Mangos, Bananen und Äpfeln ein und verlassen diese kleine Wohlfühloase wieder.

In den Straßen von Edmonton

Der Weg zurück zum Hotel wird ganz schön lang. Mir schmerzen in meinen Sandalen ziemlich die Füße und Juna schläft im Buggy ein, obwohl wir bereits nach 16 Uhr haben. Im Hotel bekommen wir sie mit der super leckeren Mango aber zum Glück schnell wieder wach. Heute gibt es Abendessen aus dem vietnamesischen Imbiss, das Christian uns aufs Zimmer holt. So ist es deutlich entspannter. 

Wir fallen wieder früh ins Bett und Juna ist auch am nächsten Morgen wieder früh um vier Uhr wach. Zum Glück lässt sich Emilian mit der Brust immer wieder einschäfern aber er ist auch bei jedem Piep wieder wach. Da ich dieses Prozedere bereits auf dem Flug angefangen habe, leide ich jetzt schon ein bisschen unter dem ständigen Nagen.

Nach dem Frühstück packen wir unsern Kram zusammen und finden uns unten im Hotel ein. Pünktlich um zehn fährt unser Shuttle vor, das uns zu unserem Wohnwagen bringen soll. Die Ankunft in Kanada ist also geschafft, jetzt kann unser Wohnwagenabenteuer beginnen!

Als sich die Idee entwickelte, Kanada mit dem Wohnmobil zu bereisen, war ich gerade schwanger mit unserem zweiten Kind. Und da bei einem weiteren Kind auch wieder eine gemeinsame Elternzeit möglich ist, bot sich an, diese wieder zum Reisen zu nutzen. Christian und ich sind zwar schon relativ viel gereist, sowohl gemeinsam, als auch unabhängig von einander. Aber in Kanada waren wir beide noch nie. Kanada erschien uns  außerdem gut geeignet um es mit kleinen Kindern zu bereisen: wir sprechen die Sprache, es gibt eine gute medizinische Versorgung, die Infrastruktur ist der deutschen sehr ähnlich, die Essgewohnheiten ebenfalls usw.

Was als Idee begann, wurde im Laufe der Schwangerschaft immer konkreter. Immerhin hatten wir während unserer Weltreise den amerikanischen Kontinent völlig ausgelassen, was ich damals schon bedauert habe. Und außerdem könnten wir doch, wenn wir schon mal „da“ waren, auch gleich unsere Freunde Anika und Kyle in Kalifornien besuchen…

Als Emilian dann im Februar 2017 auf die Welt kam, konnte die Planung dann beginnen. Zwar war ich zunächst von dem Gedanken ziemlich überfordert, mit einem 3 1/2-jährigen Kleinkind und einem 6 Monate alten Baby in einem Wohnmobil auf Reisen zu gehen und war kurz davor, Christian die ganze Sache wieder auszureden. Doch nachdem die anfängliche Hormonflut etwas nachgelassen hatte, freundete ich mich immer mehr mit dem Gedanken an und in den letzten Wochen vor Reiseantritt war ich völlig von Vorfreude erfüllt.

Nach 2 1/2 Jaren heißt es nun also wieder Flüge buchen, Hotels und Campingplätze reservieren, Reiseroute planen, Listen schreiben und abhaken, Outdoor Läden plündern, Taschen packen, Gepäck minimieren und Abschied feiern von unseren Freunden und Familien. Wir brechen auf in ein neues Reiseabenteuer. Dieses Mal sind wir zu viert unterwegs und wie eine Freundin zum Abschied sagte, haben wir uns seit unserer großen Reise kaum verändert, nur verdoppelt.

Geplant sind vier Wochen im Truck Camper durch Alberta und British Columbia im Westen Kanadas zu Reisen. Anschließend verbringen wir ein paar Tage in Vancouver bevor wir nach San Francisco fliegen. Von dort aus wollen wir unsere Freunde besuchen. Zum Abschluss verbringen wir dann noch ein paar Tage in San Francisco, von wo aus es dann wieder zurück nach Amsterdam geht. Insgesamt sind wir so ca. 7 Wochen unterwegs. Alles klar?! Na dann kann’s ja losgehen!

Wir sind wie immer gespannt was uns erwartet, haben Respekt vor den Herausforderungen, die auf unserem Weg liegen und freuen uns über alle, die uns lesend begleiten!

Jetzt kann’s endlich losgehen! Aufbruch aus Münster.

Irgendwie haben wir das Gefühl, von einer Wolke verfolgt zu werden. In der Ferne können wir die sonnenbeschienen Hügel sehen, doch wann immer wir dort ankommen, ist der Himmel bedeckt. Eigentlich hatten wir gedacht in Kaikoura noch einen Zwischenstopp einzulegen, aber da der Himmel dort auch ungemütlich grau ist, machen wir eine Mittagspause draus und fahren weiter bis in die Marlborough Sounds, einem Naturschutzgebiet bestehend aus grünen Landzungen, die sich bis in das Meer winden. Doch auf halber Strecken wollen wir noch einen Zwischenstopp einlegen. Von den zwei Deutschen Sebastian und Konstanze, mit denen wir uns in den Catlins noch mal getroffen hatten, haben wir den Tipp bekommen, einen DOC Campingplatz hinter einem Salzwerk kurz vor den Marlborough Sounds zu besuchen. Nachdem wir einmal an der Abfahrt vorbei fahren, finden wir den Campingplatz, der sogar einen Spiegel im Badezimmer und eine Vorrichtung für Solarduschen hat, problemlos. Wir sind sofort begeistert von der Abgeschiedenheit und der Schönheit dieses Platzes. Und vom Preis, denn wir zahlen wieder nur 6 NZ$ pro Erwachsener für eine Nacht.

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Windig aber sonnig am Cape Campbell.

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Hier gefällt es uns richtig gut!

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Der Wind geht ganz schön kräftig, aber im hohen Gras neben unserem Bulli ist es schön windstill.

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Nachmittagspause im Gras.

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Am Nachmittag machen wir einen kleinen Spaziergang am Strand entlang.

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Der Platz gefällt uns richtig gut. Doch nach einer Nacht wollen wir weiter, denn richtig warm ist es auch hier leider immer noch nicht. Also fahren wir am nächsten Morgen wieder zurück auf den Highway, Richtung Blenheim und weiter nach Picton.

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Die Straße nach Picton bietet wieder wunderschöne Aussichten.

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Wir fahren durch Picton, Anlegepunkt der Fähren aus Wellington auf der Nordinsel, hindurch und in die Sounds hinein. Plötzlich fühlen wir uns wie in Norditalien an den Ufern irgendwelcher Seen. Kaum zu glauben, dass das hier auch das Meer ist.

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Mittagspause in den Marlborough Sounds.

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Nach der Mittagspause fahren wir weiter, erst wieder aus den Sounds hinaus, um an einer anderen Stelle wieder rein zufahren. Hier haben wir einen DOC Campingplatz gefunden, an dem man nur eine Nacht stehen darf, der dafür aber kostenlos ist. Es gibt immerhin ein modernes Plumpsklo und eine schöne Aussicht in die Sounds.

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Aussicht an unserem neuen Stellplatz.

Bei unserer Ankunft lernen wir sofort eine Familie aus Deutschland kennen. Maike und Rainer sind mit ihren Kindern Mara und Lukas unterwegs. Die zwei sind zwar schon ein bisschen größer als Juna, binden sie aber schnell in ihr Spiel mit ein und passen vorbildlich auf sie auf. Auch wenn der fünfjährige Lukas am Anfang etwas skeptisch ist (“Das Baby macht nur Blödsinn! Das macht alles kaputt!”), verliert auch er seine Vorbehalte und nimmt sich Juna an.

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Als der Abend kommt und die Kinder im Bett sind, laden uns Maike und Rainer noch auf einen leckeren Weißwein aus der Region vor ihren Wohnwagen ein.

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Juna mit den Großen!

Leider zieht es sich abends wieder zu und es fängt sogar an ein wenig zu tröpfeln. Wir dürfen eh nicht länger als eine Nacht hierbleiben und wollten sowieso weiter. Da ich am Morgen schmerzhafte Bläschen in meinem Nacken bemerke, machen wir unsere Mittagspause in Nelson, wo wir sowieso durch gefahren wären. Dort werde ich im Krankenhaus unkompliziert untersucht und bekomme eine antibiotische Salbe verschrieben. Die Stadt Nelson gefällt uns auch richtig gut. Mit dem schönen Stadtstrand, dem entspannten Flair und vor allem dem strahlenden Sonnenschein. Vielleicht kommen wir auf dem Rückweg ja noch mal hier vorbei…

Jetzt geht es aber erstmal weiter nach Tasman. Auf halber Strecke zwischen Nelson und dem Abel Tasman Nationalpark finden wir einen schönen wenn auch etwas vollen DOC Campingplatz in der Ruby Bay. Ganz am hinteren Ende des Campingplatzes finden wir einen schönen Stellplatz für uns, an dem wir wieder die Brandung hören können. In der Ferne glitzern, als es dunkel wird, die Lichter Nelsons.

Nächster Morgen mit Blick auf Nelson in der Ferne.

Das Wetter hat sich gehalten, die Sonne strahlt von einem blauen Himmel, die Luft fühlt sich sommerlich an. Genau so haben wir es uns hier oben vorgestellt und dementsprechend zufrieden sind wir. Nach dem Frühstück geht es gleich weiter. Heute wollen wir endlich in den für seine schönen Strände und Dschungelwanderungen bekannten Abel Tasman Nationalpark. Von Rainer und Maike haben wir den Campingplatz The Barn, gleich am Eingang des Parks, empfohlen bekommen. Kein DOC Campingplatz und auch etwas teurer als was wir sonst gewohnt sind, aber im bekanntesten Nationalpark Neuseelands gelten eben andere Preise. Nachdem wir in Motueka unsere Vorräte im örtlichen New World aufgestockt haben, sind es nicht mehr viele Kilometer bis zum Park.

Unser Stellplatz im The Barn mit Blick auf eine Pferdekoppel.

Wir bekommen einen richtig schönen Platz zugewiesen und beschließen gleich zwei Nächte zu bleiben. Immerhin wollen wir morgen einen ganztägigen Ausflug mit Bootstour und Wanderung machen.

Aber jetzt heißt es erstmal ausruhen!

Nach dem kurzen Mittagsschlaf packen wir unseren Rucksack für eine kleine Entdeckungswanderung. Wir wollen gleich rein in den Park und schon mal testen was uns morgen erwartet. Die Bootstour buchen wir im The Barn.

Erste Einblicke in den Abel Tasman Nationalpark.

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Endlich ist es warm genug, dass auch ich mich ins Wasser traue.

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Juna hat richtig Spaß im Sand und lässt sich auch von ihrem ersten Wespenstich nicht die Laune verderben!

 

Wieder sehen wir viele Farnbäume, die Nationalpflanze Neuseelands.

Zurück auf dem Campingplatz kommt Juna in Kontakt mit einer mutigen Ente.

Der Abend wird lau und richtig gemütlich. Diesmal haben wir eigenen Wein im Gepäck und genießen die warmen Temperaturen auch nach Sonnenuntergang.

Am nächsten Morgen packen wir alles zusammen für unseren Tagesausflug in den Park.

Schon im Boot und noch an Land?

Die erste Attraktion beginnt bereits an Land. Wir werden am Büro des Wassertaxiunternehmens mit unserer Reisegruppe auf ein Motorboot verfrachtet, dass auf Rädern an einem Traktor hängt. Mit dem Traktor fahren wir dann die etwa 2km bis zur Ablegestelle. Da der Traktor einen Schnorchel hat, kann er uns sogar bis ins Wasser rein fahren.

Auf dem Weg zur Ablegestelle.

Mit Traktor zu Wasser gelassen.

Jetzt geht’s los!

Wir genießen alle drei die schöne Fahrt über das türkisblaue Meer. Juna hat auch keine Einwände gegen ihre Schwimmweste, sie freut sich eher über den Fahrtwind und die spritzende Gischt.

In einer der vielen Buchten werden wir rausgelassen. Von hier aus geht unsere Wanderung los. In etwa drei Stunden werden wir ein paar Buchten weiter wieder abgeholt.

Wir stellen voller Neid fest, dass einige Neuseeländer hier tatsächlich leben! Die Grundstücke wurden verkauft, als das Gebiet noch kein Nationalpark war. Heute gibt’s hier leider kein Land mehr zu kaufen…

Zuerst geht es ganz schön bergauf!

Erste Aussicht auf unsere Ankunftsbucht.

Der Weg ist wirklich wunderschön und bietet herrliche Aussichten auf Buchten, die zum Verweilen einladen. Aber wir müssen ja leider weiter…

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Über eine Hängebrücke überqueren wir diesen Fluss…

…zum ersten Mal…

Denn als wir auf der anderen Seite sind, überlegen wir es uns doch noch mal anderes und kehren wieder um, überqueren den Fluss erneut und klettern einen kleinen Pfad am anderen Ende der Brücke hinab. Hier machen wir unsere Mittagspause.

Mittagspause am Fluss.

Nach der Pause überqueren wir die Brücke also erneut und setzen unseren Weg weiter fort.

Farnbäume.

In einer Bucht unterwegs gönnen wir uns noch eine kleine Pause. Leider muss Christian gleich wieder los, denn er vermisst seine Sonnenbrille, die er an unserem Mittagsrastplatz vermutet. Christian überquert die Hängebrücke als noch zwei Male, kehrt aber leider ohne Sonnenbrille zurück.

Sonnenbaden in der finalen Bucht.

Mit ein bisschen Zeitpuffer erreichen wir die Bucht, in der wir vom Motorboot wieder abgeholt werden. Wir nutzen die Zeit zum Ausruhen und Sonnenbaden.

Juna gefällt’s am Strand.

Wenig später besteigen wir wieder das Boot und werden zum Parkeingang zurück gebracht und anschließend wieder mit dem Traktor durch den Ort bis zum Wassertaxibüro gefahren. Wir sind ziemlich kaputt, beschließen aber dennoch noch an diesem Abend weiter zu fahren. Denn Juna hat morgen Geburtstag und da wollen wir möglichst wenig Auto fahren und wir haben noch ein Ziel vor uns: Das Cape Farewell, der Hohe Norden der Südinsel. Also canceln wir unsere bereits gebuchte Nacht, packen alles zusammen und düsen wieder los. Zuerst ist die Fahrt alles andere als angenehm. Juna ist ziemlich müde, braucht aber wieder all meine gesangliche Kraft und Aufmerksamkeit, um noch ein bisschen schlafen zu können. Mir ist allerdings kotzschlecht, denn wir fahren in Serpentinen einen Berg hinauf, der immer höher und höher wird. Oben angekommen, ist Juna immer noch nicht eingeschlafen und ich brauche eine Pause, in der ich mich mit Müh und Not nicht übergebe. Wir machen einen kurzen Spaziergang zu einem Aussichtspunkt, auf dem sich mein Magen wieder beruhigen kann. Als es wieder weiter geht, schläft Juna bald selig und wir genießen die tolle Landschaft im sommerlichen Abendlicht.

Wir erreichen noch vor der Dämmerung den Campingplatz in Collingwood und bekommen dort einen schönen Platz direkt am Wasser. Als weiteres Highlight des Tages beobachten wir einen riesigen Rochen, der direkt am Ufer in der steigenden Flut treibt.

Am Abend bestaunen wir den eindrucksvollen Sternenhimmel und stoßen auf das vergangene Jahr an: morgen wird Juna 1!

Guten Morgen Geburtstags-Juna!

Nach einem entspannten Morgen setzen wir uns wieder in unseren Bulli und fahren die wenigen Kilometer bis zum Farewell Spit, dem nördlichsten Punkt Neuseelands Südinsel.

 

Die Landschaft erinnert ein bisschen ans Allgäu, nur mit Meer auf der anderen Straßenseite.

Der Farewell Spit – hier endet die Südinsel in einer langgezogenen Sandbank.

Anstatt eine Wanderung über den Farewell Spit zu machen – was für Juna in der Manduca nicht so schön wäre – entschließen wir uns zu einem Aussichtspunkt zu fahren und anschließend zum Wharariki Strand, der hier in der Nähe ist.

Der Aussichtspunkt am nördlichsten Punkt der Südinsel Neuseelands.

 

Auch Juna gefällt die Aussicht.

Ohne Netz und doppelten Boden geht es hier steil abwärts – ich bin froh, dass Juna beim Laufen noch auf meinen Finger angewiesen ist!

Nach dem Aussichtspunkt geht es weiter zum Wharariki Strand. An den Strand haben wir keine großen Erwartungen, ich hoffe ein wenig in der Sonne liegen zu können und Juna soll natürlich einen Schattenplatz haben. Aber erstmal bleiben wir auf dem Parkplatz, von dem aus der Weg über Schafwiesen zum Strand führt, und machen dort unsere Mittagspause. Juna fällt nach dem Mittagessen in einen tiefen Schlummer, also packe ich meine Strandsachen zusammen und gehe schon mal los.

Weg zum Strand.

Der Weg zieht mich sofort in seinen Bann. Ich bin beeindruckt von der wunderschönen Natur, die mich umgibt und weiß gar nicht wo ich zuerst hingucken und -fotografieren soll. Der Wind bläst mich zwar fast aus meinen FlipFlops, doch wie auf Wolken schreite ich Richtung Meer, das ich schon von Weitem sehen kann.

In der Ferne das Meer.

Schon der Weg zum Strand lohnt sich, um richtig glücklich zu werden. Doch als ich endlich da bin und auf die erste Düne klettere, haut es mich fast um…

Ich bin überwältigt von der Schönheit dieses Ortes.

Wohin ich auch schaue, ich kann nicht genug bekommen, kann mich nicht satt sehen. Zuerst durchwandere ich eine Dünenlandschaft, wie ich sie nie zuvor gesehen habe. Hunderte von Meter weit erstrecken sich Dünen in den schönsten Formen aus feinstem Sand, den der heftige Wind mir gegen die Schienbeine bläst. Ich stapfe vorwärts und bestaune die riesigen Felsbrocken, die vor mir aus dem Meer aufragen. Die Stimmung könnte einem Film entstammen, irgendwo auf einem anderen Planeten. Es würde mich nicht wunden, wenn hier jetzt ein Raumschiff landen würde, so surreal wirkt die Szene auf mich.

Wanderung durch die Dünen.

Die Brandung ist gewaltig!

Am Stand angekommen geht das Staunen weiter. Der Wind bläst unermüdlich, mein Sonnenbad kann ich vergessen, stelle ich schmunzelnd fest. Vollkommen irrelevant! Denn dieser Ort muss entdeckt werden, als wenn ich mich hier hinlegen und wegdösen wollte, ich will jeden Winkel erkunden und alles aufsaugen was die Natur mir hier bietet! Doch dieser Plan ist unmöglich umzusetzen, denn der Strand ist kilometerlang!

Also fange ist erstmal vorne an, wo ich nach dem Dünenstreifen am Strand rausgekommen bin. Hier ist ein großer Felsen gleich am Strand, von weitem sehe ich schon jemanden dort stehen und fotografieren. Auf einem Schild auf dem Weg zum Strand habe ich gelesen, dass es hier Robben zu sehen gibt, die in den natürlichen Pools der Felsen spielen. Also nähere auch ich mich vorsichtig und kann von Weitem auch einige Robben sehen, von denen ich ein paar verwackelte Fotos schieße. Als ich gerade wieder gehen will, schauen mich plötzlich zwei Paar glänzend schwarze Knopfaugen hinter einem Felsvorsprung an. Babyrobben!

Wer wohnt denn hier in diesem Paradies?

Die zwei Robben sind erst schüchtern, als ich mich etwas entferne nehmen sie sich dann doch ein Herz und plantschen um den Fels herum und gesellen sich zu ihren anderen Artgenossen. Ich ziehe neugierig weiter und erkunde die Umgebung in die eine Richtung.

 

 

Als ich das eine “Ende” des Strandes (wenn ich wollte, könnte ich noch kilometerweit laufen) genügend erkundet habe, laufe ich wieder zurück und komme dabei wieder an dem Robbenfels vorbei. Mittlerweile ist die Ebbe weiter fortgeschritten und hat so die Pools freigelegt, in denen nun tatsächlich Robbenjungen platschen und spielen.

Vergnügte Robbenkinder, zum Greifen nah!

Wieder bin ich völlig überwältigt von der Schönheit dieses Anblicks. Direkt vor mir spielen bestimmt 10 kleine Robben, wild und frei ohne Angst und Scheu. Ganz im Gegenteil, sie beäugen mich und andere, die dazu kommen, neugierig und kommen teilweise sogar zu uns gerobbt, um uns noch genauer in Augenschein zu nehmen.

Neugierige Robbenkinder.

 

Ich könnte noch Stunden hier zubringen – wie lange bin ich überhaupt schon hier?? Mein Zeitgefühl ist völlig abhanden gekommen. Christian wollte mit Juna nachkommen, sobald sie wieder wach ist. Also behalte ich die Dünen im Auge, damit wir uns nicht verpassen. Das hier muss ich ihnen unbedingt zeigen! Was für eine tolle Geburtstagsüberraschung für Juna!

Nachdem ich mich vorerst an den plantschenden Robben satt gesehen habe, gehe ich noch ein Stück weiter in die Richtung, in der ich noch nicht war und schaue mich auch hier ein wenig um.

 

 

In diese Höhle kann man auf der einen Seite reinlaufen….

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…auf der anderen muss man auf dem Bauch raus kriechen.

Als Christian und Juna nicht auftauchen, beschließe ich wieder zurück zum Auto zu laufen, um sie zu holen. Diesen Ort muss ich ihnen unbedingt zeigen.

Zurück über die Dünen.

 

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Auf dem Rückweg bin ich so voll von Faszination, dass ich das Gefühl habe zu schweben. Alles sieht in meinen Augen wunderschön aus.

 

 

Zurück beim Bulli schläft Juna noch immer! Voller Begeisterung erzähle ich Christian von meinen Eindrücken. Als Juna gut gelaunt erwacht wird sie gleich strandfertig gemacht und eingepackt. Wenig später geht es für mich zum zweiten Mal zum Strand.

Die Nachmittagssonne macht die Stimmung noch mystischer.

Juna ist auf meinem Rücken vor dem peitschenden Wind geschützt.

Als erstes steuere ich natürlich die Robbenpools an. Das Wasser ist mittlerweile weiter zurück gegangen und die Pools sind nun deutlich zu erkennen. Die Robbenkinder spielen immer noch ausgelassen miteinander. Als Juna die kleinen Pelzrobben sieht, stößt sie gleich ein paar erfreute Laute aus, die die Robbenkinder zu verstehen scheinen. Interessiert kommt eines zu uns, so dass wir es ganz genau betrachten können.

 

 

Man hat den Eindruck, die kleine Robbe wollte Juna zum Mitspielen einladen.

Wir sind begeistert von der Intensität der Begegnung. Ein besseres Geburtstagsgeschenk hätten wir uns für Juna nicht wünschen können!

Zufrieden verlassen wir die Robbenkolonie wieder und gehen noch ein wenig an diesem wunderschönen Strand spazieren.

 

 

 

 

 

Die glückliche Familie am Ende dieses rundum gelungenen Tages.

 

 

Wir bleiben hier! Wo es so schön ist, da müssen wir bleiben. Der Campingplatz direkt am Parkplatz soll auch gut sein, als buchen wir uns ein und verbringen noch einen angenehmen Abend mit anderen Reisenden in der Gemeinschaftsküche.

Der nächster Morgen beginnt sonnig und entspannt.

 

Christian schlachtet unsere Kokosnuss.

Wir kommen erst gegen Mittag los weil wir uns noch fest quatschen mit einem deutschen Pärchen, das mit ihrem Sohn Emil genauso unterwegs ist wie wir. Es tut gut sich auszutauschen und wir bekommen sogar einen Einblick in einen Wohnwagen der Luxusmarke Kea, da können wir mit unserem Toyota Hyace bei weitem nicht mithalten. Aber wir haben uns in den letzten vier Wochen so sehr an unseren kleinen Bulli gewöhnt, dass wir ihn selbst für einen geräumigen Kea nicht tauschen wollen. Gut gelaunt und voll mit schönen Erinnerungen an die letzten Tage brechen wir wieder auf.

Die Flut läuft bis auf die Straße.

Unsere Rückreise nach Deutschland steht in wenigen Tagen an. Also machen wir uns auf den Rückweg Richtung Christchurch, von wo aus wir auch zurück fliegen. Langsam stellt sich der Abschiedsschmerz ein, denn nach den Erlebnissen der vergangen Tage, würden wir gerne noch länger bleiben. Heute schaffen wir es bis kurz hinter Nelson. Leider reicht unsere Zeit nicht mehr aus, die Stadt erneut zu besuchen. Aber der Campingplatz, auf dem wir für eine Nacht bleiben, macht einen sehr netten Eindruck: es gibt warme Duschen, W-Lan und ein Trampolin, auf dem jede Menge andere Kinder spielen, somit ist auch Juna glücklich.

Juna richtet sich ein.

Abendessen.

Am nächsten Morgen geht es weiter. Wir fahren wieder vorbei an den Marlborough Sounds und biegen kurze Zeit später Richtung Rarangi vom Highway ab. Dort finden wir wieder einen schönen grünen DOC Campingplatz für wenig Geld und mit einer Solardusche.

Juna zählt “Mäh”s auf dem Weg durch die Sounds.

Hier verbringen wir den Nachmittag am Strand und blicken in der Ferne auf das Cape Campbell, wo wir auf unserem Hinweg bereits Station gemacht haben.

 

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Cape Campbell in der Ferne.

Am nächsten Tag setzen wir unseren Weg Richtung Süden weiter fort. Nun sind es nur noch zwei Nächte wir bis die Heimreise antreten müssen. Kaum haben wir Blenheim hinter uns gelassen, zieht sich der Himmel wieder mit einer dunklen Wolkendecke zu. In Kaikoura machen wir Zwischenstopp, denn Christian muss unbedingt den für die Region berühmten Crayfish (Languste) probieren. Nachdem wir 20 Minuten auf die nächste Langustenlieferung gewartet haben, stürzen wir uns mit knurrenden Mägen auf unser “üppiges” Mittagessen.

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Crayfish in Kaikoura.

Unsere vorletzte Nacht verbringen wir auf einem Campingplatz etwa 150 km nördlich von Christchurch. Das Wetter ist wieder durchwachsen aber ok. Wir machen einen Strandspaziergang.

 

Der nächste Tag bringt noch mal Sonnenschein.

Auf dem Weg nach Christchurch.

Am nächsten Tag brechen wir auf nach Christchurch. Hier verbringen wir die letzte Nacht dort, wo wir auch die erste in Neuseeland verbracht haben, auf dem Camping Platz in South New Brighton. So schließt sich unser Kreis auf der Südinsel Neuseelands. Wehmütig besuchen wir noch einmal den schönen Strand, der uns am Anfang schon so gut gefallen hat und genießen ein letztes Mal Sonne und Wind des südlichen Sommers.

An unserem letzten Tag wird nur noch gepackt und der Bulli abgabefertig gemacht. Dann fahren wir zu unserer Bullivermietung, die uns unkompliziert den Wagen abnimmt und uns zum Flughafen fährt. Die vier Rückflüge, die uns in den kommenden 32 Stunden erwarten (Christchurch – Sydney – Bangkok – Dubai – Düsseldorf) werden unsere Befürchtungen leider übertreffen.

Doch zurück in Deutschland, nach über 48 Stunden ohne nennenswerten Schlaf und einem ausgewachsenen Jetlag, sagen wir immer wieder: es hat sich gelohnt! Neuseeland ist einfach toll, gerade weil es so furchtbar weit weg ist.

Wir waren gerne: Happy Campers!

Nachdem wir die Catlins verlassen haben, fahren wir an der Ostküste rauf Richtung Norden. Wir wollen es endlich warm und sonnig haben und da haben wir im hohen Norden die besten Chancen.

Zwischenstopp am Shag Point.

Nördlich von Dunedin machen wir einen Stopp am Shag Point, wo es eine Seelöwenkolonie zu beobachten gibt.

An diesem Tag fahren wir nicht mehr viel weiter. Unser Ziel ist Moeraki, wo am Strand die versteinerten Kugeln, Boulders genannt, liegen. Wir checken auf einem Campingplatz ein, mit Strom und endlich mal wieder einer Waschmaschine. Am nächsten Tag besichtigen wir die Boulders.

Moeraki Boulders.

Weiter geht es nach Oamaru, ein Städtchen mit Pinguin-Kolonie und Künstlerszene. Wir besichtigen erst die Ateliers und Workshops in der Altstadt und machen uns dann auf die Suche nach den Pinguinen.

Künstlerszene in Alt-Oamaru.

Pinguine bekommen wir leider keine zu Gesicht, stattdessen eine Art Stadion, in dem zu bestimmten Tageszeiten die Zuschauer von überdachten Tribünen aus Pinguine beobachten können wie sie  zu ihren angelegten Nestern watscheln. Das Ganze wirkt ziemlich inszeniert und ein bisschen unnatürlich. Uns sind wilde Pinguine lieber und so sind wir nicht traurig, dass wir die Show für heute verpassen.

Die einzigen Pinguine, die ich in Oamaru zu Gesicht bekomme.

Für die Nacht haben wir uns einen Free Spot ausgesucht, der vollkommen ohne sanitäre Anlagen oder Sonstiges auskommt. Es handelt sich lediglich um einen Kiesweg am Strand. Doch als wir uns einen Stellplatz suchen wollen, bleiben wir in den lockeren Kieselsteinen stecken. Trotz aller Bemühungen wieder raus zukommen, bleiben wir stecken und erreichen nur, dass wir uns tiefer eingraben und unsere qualmenden Reifen eine Gummibrise verströmen. Zu unserem Glück steht in einiger Entfernung noch ein anderes Wohnmobil, dessen Besitzer sich auch bald zu uns gesellt, um uns zu helfen. Als beide Männer schieben, schaffen wir es endlich frei zu kommen und können uns auf einen Rasenplatz stellen. Als der Abend kommt, wird es an diesem einsamen Fleckchen richtig schön.

Am nächsten Morgen geht es gleich weiter Richtung Norden, vorbei an Christchurch bis nach Amberley, wo wir auf einem ziemlich unspektakulären Campingplatz mit Toilette und Waschbecken Halt machen.

Ein Highlight erleben wir auf dem Campingplatz von Amberley dann doch: Juna macht, wenige Tage vor ihrem ersten Geburtstag, ihre ersten Schritte!

 

Da uns die Wolkendecke nicht loslassen will, brechen wir am nächsten Morgen wieder auf, in der Hoffnung, bald wieder unter blauem Himmel zu sein.

Es geht Richtung Süden. Mit der Sonne im Rücken fahren wir den Highway 6 von Queenstown runter in Richtung Invercargill. Dort wollen wir Zwischenstopp machen auf unserem Weg nach Curio Bay, wo es offensichtlich wunderschön sein soll, denn die Bucht in den Catlins wird uns von allen Seiten empfohlen. Und weil das Wetter gerade so gut ist hier unten und Juna so gut mitmacht, fahren wir kurzerhand an Invercargill vorbei und direkt in die Catlins rein.

Die romantisch sommerliche Landschaft der Catlins, ein bisschen wie Dänemark, findet Christian

Unsere obligatorische Kaffeepause machen wir in einem Feldweg neben einer Kuhwiese. Ganz nach Junas Geschmack.

Die alte Truckerin

Unser Ziel für heute ist ein kostenloser Campingplatz, an dem man nur eine Nacht bleiben darf. Nicht viel mehr als eine große grüne Wiese und öffentliche Toiletten mit Waschbecken. Der Campingplatz liegt nur wenige Kilometer vom Campingplatz an der Curio Bay entfernt, so haben wir es morgen nicht weit und sind früh da.

Unser Campingplatz

Direkt an der Campingwiese beginnt ein kleiner Urwaldspaziergang, den wir gerne mitnehmen.

Farnbäume, Nationalpflanze der Kiwis

Am nächsten Morgen sind wir früh unterwegs zu unserem nicht weit entfernten Ziel.

 

Der Campingplatz oberhalb der Curio Bay ist recht simpel und dafür ein bisschen teuer, aber er ist auch der einzige an diesem schönen Ort und so nehmen wir, wie alle anderen, die hohen Gebühren und etwas heruntergekommenen Sanitären Anlagen in Kauf.

Die Klippen an der Curio Bay

Auf der einen Seite der Bucht brechen sich die Wellen an schroffen Felsen, auf der anderen erstreckt sich der weich geschwungene kilometerlange Sandstrand, an den durchaus surfbare Wellen gemächlich heranrollen. Gleich zu unserer Ankunft können wir die spitzen Rückenflossen zweier Hektor Delfine beobachten, wie sie durch die Bucht gleiten.

Der Tag ist herrlich, die Sonne scheint und es ist relativ warm – eine Besonderheit für die Catlins, wo auch schon mal arktische Stürme über die Klippen fegen. Wir nutzen unser Glück und packen alles ein für den Strand.

Juna gefällt’s mal wieder prächtig am Strand

 

Auf dem Weg vom Strand zum Bulli passiert etwas Seltsames. Wir erblicken plötzlich in der Nähe des Aufgangs vom Strand zum Campingplatz einen einsamen Pinguin. An sich nichts Außergewöhnliches, immerhin gibt es hier nicht nur Delfine, sondern auch Robben und eben auch Pinguine. Wir sind nicht die Einzigen, die den Kleinen entdeckt haben, ein paar andere Leute haben sich bereits in seiner Nähe angesammelt. Doch bevor wir auch nur daran denken können, unsere Kamera heraus zu kramen, um unseren ersten Pinguin bildlich festzuhalten, kommt wie aus dem Nichts ein Mann mit einem Handtuch angerannt, der sich dem Pinguin von hinten nähert. Kaum haben wir ihn erblickt, hat er das Handtuch auch schon über den Kleinen geworfen und flüchtet mit ihm im Arm die Böschung hinauf. Wir sind ein bisschen baff. Entführen hier Touristen Pinguine?

Für den Nachmittag haben ich mich zu einer Surfstunde angemeldet. Die Stunde kostet genauso viel, wie Bord und Wetsuit leihen, also frische ich meine Anfängerkenntnisse ein wenig auf und werde dazu noch vom Surflehrer gelobt, weil ich meine erste Welle gleich bis zum Strand fahre. Naja, ich muss wohl zugeben, dass ich es eigentlich sogar besser können müsste.

Schön, mal wieder auf dem Brett zu stehen

 

Juna ist ein Naturtalent, meint zumindest der Surflehrer

 

Abendstimmung an der Curio Bay

 

Sonnenuntergang am Südzipfel Neuseelands

Zum Sonnenuntergang kommen für gewöhnlich Pinguine an eine bestimmte Stelle der Bucht. Da Juna sehr müde ist und es zudem auch noch anfängt zu regnen, geht Christian alleine los um beim Abendbrot einer Pinguinfamilie dabei zu sein.

Die armen Eltern, müssen zwei so Moppel satt kriegen!

Leider wurde ich beim Surfen, beziehungsweise während der Theorie am Strand, an Händen und Füßen von Sandflies fies angeknabbert. Es folgt die erste von drei Nächten mit sehr wenig Schlaf und sehr viel Füße und Hände kratzen und alle möglichen Mittelchen ausprobieren. Echt anstrengend!

Am nächsten Tag wurde das schöne Wetter von Sturm und Regen vertrieben. Wir bleiben wohl oder übel im Bulli und machen nur kurze Spaziergänge in den Regenlöchern.

Juna trotzt dem Sturm

Zum Glück ist Juna auch für Indoor Aktivitäten zu haben!

Doch am Nachmittag verziehen sich die dunklen Wolken und wir sehen wieder blauen Himmel.

Curio Bay

Während eines Spaziergangs erblicke ich eine Mitarbeiterin des DOC und spreche sie gleich auf die vermeintliche Pinguin Entführung des gestrigen Tages an. Sie erklärt, der Pinguin sei in der Mauser gewesen und habe daher umgesiedelt werden müssen. Pinguine bleiben während der Mauser über längere Zeit fast bewegungslos an einem Fleck stehen und sind so sehr angreifbar. Da sich dieser Pinguin eine etwas ungünstige Stelle für seine Mauser ausgesucht hatte, musste er vor zu neugierigen Touristen geschützt werden. Jetzt kann ich die Handtuchattacke auch verstehen.

 

 

 

Wir setzen uns kurzentschlossen ins Auto und fahren an der Küste entlang. Der Straßenkarte entnehmen wir, dass es hier in der Nähe einen Leuchtturm geben soll, da wollen wir hin. Viele Kilometer Gravel Road später haben wir unser Ziel endlich erreicht.

Der etwa 100 Jahre alte Leuchtturm

 

Der Wind pfeift uns um die Ohren

 

 

 

 

 

 

 

 

Nein, das ist kein Seeungeheuer, sondern eine Robbe, die wir in den Wellen entdecken

 

Vor 100 Jahren kenterte hier ein Schiff, der Grund für den Bau des Leuchtturms

 

 

Auf dem Rückweg machen wir noch einen kleinen Abstecher zum Slope Point, dem südlichsten Punkt der neuseeländischen Südinsel. Wenn wir schon mal da sind…

Slope Point

Am nächsten Tag fahren wir weiter. Wohin genau wir fahren, wissen wir noch nicht, auf jeden Fall bleiben wir in den Catlins. Bis wohin wir kommen bestimmen Juna und unsere Nerven. Solange sie wach ist, nehmen wir ein paar Sehenswürdigkeiten mit. Zum Beispiel die Wasserfälle benannt nach Alexander Mac Lean. Über einen etwa 30-minütigen Spaziergang durch den Urwald gelangen wir zu den schönen Fällen.

 

Mac Lean Falls

 

 

Weiter geht’s zu den Cathedral Caves, Höhlen, die das Meer in den Stein gewaschen hat und die nur bei Ebbe zu besichtigen sind. Ein Glück, dass gerade das Wasser niedrig steht.

Eingang in die Höhle

 

 

Das Besondere an dieser Höhle ist, dass man auf der einen Seite rein und auf der anderen wieder raus gehen kann. Das Meer hat quasi zwei Höhlen geschaffen, sie sich an ihren hinteren Ende treffen und so zu einer werden.

 

Jetzt haben wir genügend touristische Highlights gesehen. Wir machen uns auf die Suche nach einem Campingplatz für die Nacht. Und wir werden fündig. Über eine lange ungeteerte Straße erreichen wir einen wunderschönen DOC Campingplatz. Auf dem Weg dorthin kommen uns Sebastian und Constanze entgegen, die wir mit ihrer Tochter Nora am Mt. Cook kennengelernt hatten. Wir verabreden uns, uns später auf dem Campingplatz wieder zu treffen.

Mal wieder eine geniale Aussicht aus unserem Schlafzimmer!

 

Der Campingplatz, ganz links im Bild stehen wir.

Dieser Campingplatz ist mal wieder unbeschreiblich schön! Wir sind hin und weg. Und dafür zahlen wir nur 6 NZ$ pro Erwachsenen. Es gibt zwar auch nur zwei Plumpsklos und ein Waschbecken, aber dafür eine tolle Aussicht auf Klippen und Riesenbrecher.

Die Wellen sind größer als sie aussehen

 

Unser Standplatz

 

 

Gemeinsame Kaffeepause mit Sebastian, Constanze und Nora

Anschließend wagen sich die Jungs in die Fluten

Juna findet Noras Kindercampingstuhl super!

Als beide Kinder im Bett sind, sitzen wir noch lange zusammen und machen mindestens eine Flasche Wein leer. Leider ist am nächsten Morgen die Sonne verschwunden und schafft es auch bis zum Mittag nicht aus den Wolken. Für uns ist es ok wieder weiter zu fahren, die anderen bleiben noch.

 

Christian spült zum Abschied noch unser Geschirr in kaltem Flusswasser

Nun verlassen wir die Catlins und fahren die Küste im Osten der Insel wieder hoch. Wir hatten genug Regen, Wind und Kälte, im Norden der Südinsel hoffen wir auf Sonne und wieder ein bisschen mehr Sommer.